Zur Lohnrunde 2013 (Teil 4) – Doping durch Dumping

Wer viel oder gar ausschließlich Süßigkeiten isst, schadet seiner Gesundheit. Trotzdem essen die meisten Leute gern Süßigkeiten und manche auch sehr viel. Warum? Weil’s halt schmeckt. Der kurzfristige Genuss verführt, den langfristigen Schaden zu ignorieren. Beim Doping nehmen Sportler zur Verbesserung ihrer kurzfristigen Gewinnchancen die langfristige Schädigung der eigenen Gesundheit in Kauf. Das hat neben der Befriedigung des persönlichen Ehrgeizes vor allem handfeste wirtschaftliche Gründe. Denn Gewinnern großer Sportwettkämpfe winken lukrative Werbeverträge.

Gemeinsam haben beide Beispiele, dass die Gesundheit der Akteure leidet. Der Unterschied, auf den es mir ankommt, besteht darin, dass sich die Leute im ersten Fall „nur“ selbst schaden, im zweiten Fall aber auch anderen. Bei sportlichen Wettkämpfen treten nämlich mehrere Sportler gegeneinander an. Wer da die Nase vorn hat, gewinnt und lässt gleichzeitig die anderen zum Verlierer werden.

Doping schadet nicht nur dem auf Dauer, der damit kurzfristig gewinnt, sondern es ist den anderen Wettbewerbern gegenüber unfair. Wenn sich Jahre später herausstellt, dass der Gewinner eines weit zurückliegenden Wettkampfes gedopt hatte, nützt das seinen damaligen Konkurrenten wenig. Denn die sind oft schon aus dem Aktivenalter raus, werden durch ein nachträgliches Aufrücken auf Medaillenränge auch nicht mehr berühmter oder für die Werbewirtschaft attraktiver. Und von rückabgewickelten Werbeverträgen oder Strafzahlungen eines Dopingsünders oder dessen Erkrankungen können sich die ehrlichen Sportler im wahrsten Sinne des Wortes auch nichts kaufen. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden