Archiv | 03.04.2013

Konjunkturindikatoren: Einzelhandel auf, Arbeitsmarkt ab, Schwäche insgesamt

Der wichtigste Einzelindikator für den privaten Verbrauch war im Februar weiter aufwärtsgerichtet. Nach einem starken Januar blieb auch der Wert für Februar relativ hoch (Schaubild). Nach den von der Bundesbank berechneten saisonbereinigten und inflationsbereinigten Werten hat sich der Umsatz des Einzelhandels (Index 2010=100) nach einem tiefen Einbruch am Ende des vergangenen Jahres erholt. Noch spricht das allerdings nicht dafür, dass über den ganzen Winter gesehen eine Belebung des privaten Verbrauchs und damit der gesamten Binnennachfrage zu erwarten ist. Dafür war der Einbruch zuvor zu tief. Schließlich sind wir vom Niveau Mitte der 1990er Jahre noch immer ein gutes Stück entfernt, wie der Grafik zu entnehmen ist:

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Wie wenig der private Verbrauch zur wirtschaftlichen Belebung seit vielen Jahren beiträgt, sei hier noch einmal anhand eines Vergleichs mit der Situation in den 1990er Jahren gezeigt: Damals zog der private Verbrauch das Wirtschaftswachstum hinter sich her; in den Jahren seit der EWU ist es genau umgekehrt. Entgegengesetzt dazu verläuft die Bedeutung des Saldos des Außenhandels: War der in den 1990er Jahren mit ungefähr 1% des BIP im Minus, explodierte er ab 2001.

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Am Arbeitsmarkt hat sich die Lage im März 2013 klar verschlechtert. Zwar verläuft die Abschwächung noch in ruhigen Bahnen, aber saisonbereinigt ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen und die Zahl der offenen Stellen nimmt langsam aber stetig ab. Betrachtet man beide Indikatoren zusammen, ist endgültig nicht damit zu rechnen, dass sich die deutsche Wirtschaft nach ihrem Schwächeanfall im letzten Quartal des Vorjahres im ersten Quartal erholt hat, wie das von den meisten Auguren erwartet wird. Vieles spricht dafür, dass sie auch im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal leicht schrumpfen könnte und damit die Voraussetzung für eine technische Rezession erfüllt. Nun sollte man diese Definition nicht zu ernst nehmen, aber klar ist, dass nirgendwo eine Belebung der Nachfrage zu sehen ist, die auf die Rückkehr zu einem Wachstumspfad schließen lassen würde.

Dass das überhaupt kein Thema in Deutschland ist, zeigt erneut, dass die Wirtschaftspolitiker ihre Aufgabe missverstehen. Zu glauben, Deutschland sei quasi unverwundbar und werde sich schon in Kürze von alleine wieder berappeln, weil irgendwo in der Welt die Nachfrage steigt, ist naiv und kurzsichtig. Die Presse mag mit ihrem Optimismus der Hoffnung Rechnung tragen, man könne die Konjunktur „nach oben schreiben“, weil angeblich viel „Psychologie“ dahinter stehe. Erreichen tut sie damit regelmäßig in erster Linie die Politiker, die sich angesichts positiver Kommentare meinen zurücklehnen zu können. Die eigentlich wichtigen Akteure, die Sachinvestoren, vertrauen lieber auf die konkreten Auslastungsdaten ihrer Betriebe, die ihnen vorliegen, und weniger auf die Ansichten der Medien. Diese Kombination von Wahrnehmungen ist fatal, weil die notwendigen positiven Signale, die vom Staat an die Sachinvestoren ausgehen müssten, systematisch unterbleiben. Wer nicht im eigenen und im europäischen Interesse an der Belebung der deutschen Binnennachfrage arbeitet, richtet Schaden an, der bis in die nächsten Generationen hinein nicht mehr gutzumachen sein wird.

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