Produktivität und Löhne pro Stunde – worum es innerhalb und außerhalb einer Währungsunion geht

Immer wieder werde ich bei meinen Vorträgen gefragt, ob es denn ganz grundsätzlich überhaupt gut gehen kann, wenn Länder mit völlig unterschiedlichem Lebensstandard Mitglied ein und derselben Währungsunion sind. Die Antwort ist ja. Warum das so ist, kann man sich klar machen, wenn man den Fall mit unterschiedlichen Währungen zuerst betrachtet. Denn dass dann Handel zwischen armen und reichen Ländern möglich ist, ist empirisch offensichtlich. Doch woran liegt das? Und was ändert sich, wenn sich arme und reiche Länder in eine Währungsunion begeben?

In der Realität gleichen sich die tatsächlichen Lebensstandards armer und reicher Länder, die miteinander Handel treiben und eigenständige Währungen haben, nicht über mittlere Zeiträume hinweg an und schon gar nicht kurzfristig (man denke z.B. an Polen und Deutschland). Der Wechselkurs zwischen den Währungen dieser Länder beseitigt also genau das nicht, was manche als Problem einer Währungsunion ansehen. Der Wechselkurs dient lediglich dem Ausgleich der Preisniveaus zwischen diesen Ländern bzw. ihrer Preissteigerungsraten im Zeitverlauf. Arme Länder können hohe Inflationsraten haben und reiche Länder niedrige und umgekehrt. Wenn die Währungsrelationen dies richtig widerspiegeln, können die Preise von vergleichbaren Gütern beider Ländergruppen, ausgedrückt in einer einheitlichen Währung, aber dennoch gleich sein.

Was in den Preisen zum Ausdruck kommt und weswegen arme Länder mit niedrigen Löhnen Handel mit reichen Ländern mit hohen Löhnen treiben können, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden