Archiv | 11.04.2013

Slowenien in Nöten

Zu unserem gestern zu Slowenien erschienen Beitrag passt, dass die Zeitungen ebenfalls gestern meldeten, das Land werde der nächste Kandidat sein, der sich unter den Rettungsschirm begeben muss.

Slowenien kämpfe gegen eine sich verschärfende Bankenkrise, vermeldet die FAZ: „Infolge der zweiten Rezession innerhalb von vier Jahren schwellen die notleidenden Kredite bei staatlichen Kreditinstituten wie Nova Ljubljanska Banka d.d. an.“ Die Regierung wolle einen Rekapitalisierungsplan im Volumen von bis zu 4 Milliarden Euro vorantreiben. Zugleich sollen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung ergriffen werden. Die Schuldenstandsquote werde wohl von 47 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2025 auf 100 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen, sollte sich die Regierung nicht zu neuen Reformen durchringen.

Wie wir schon häufig gesagt haben, werden hier sekundäre und abgeleitete Phänomene wie die Probleme der Banken oder des Staates zu Krisenursachen hochstilisiert. Ein staatlicher Schuldenstand von 47 Prozent am Bruttoinlandsprodukt ist wirklich kein Alarmsignal, aber wenn das Land aus anderen Gründen von einer Rezession in die nächste taumelt, ist es kein Wunder, dass man einen schnell steigenden Schuldenstand erwartet. Wiederum hilft es aber nicht, sondern schadet, wenn man die Rezession durch „Sparversuche“ des Staates weiter verschärft.

Die FAZ erwähnt zwar auch die Wettbewerbsprobleme Sloweniens, die wir gestern erläutert haben, aber sie versteht immer noch nicht, dass das der Kern der Geschichte ist. Wie soll ein Land jemals aus einer Rezession herauskommen, wenn es nicht wettbewerbsfähig ist, keine eigene Währung hat und infolgedessen nicht abwerten kann und gleichzeitig seine Binnenkonjunktur einbricht, weil es sich wegen der Wettbewerbsfähigkeitsprobleme gezwungen sieht, seine Löhne zu senken. Wenn dann auch noch der Staat zu sparen versucht (was am Ende nicht gelingt, weil die Konjunktur weiter einbricht), gibt es keine Rettung mehr und all die Probleme, die bei vernünftig verlaufender Konjunktur durchaus zu bewältigen wären, werden unlösbar.

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