Archiv flassbeck-economics | 06.05.2013 (editiert am 25.05.2016)

Angebotspolitik als Ersatz für Nachfragepolitik? Teil II

Dies ist die Fortsetzung des Beitrags vom 3.5.2013, der sich mit der Frage beschäftigt, ob die Lösung der Eurokrise mit Mitteln der Angebotspolitik möglich ist. Dass eine Nominallohnsenkungsstrategie nicht weiter hilft, sondern krisenverschärfend wirkt, wurde bereits dargelegt. Könnte es aber sein, dass wenigstens die Variante der Angebotspolitik erfolgversprechend ist, bei der eine Produktivitätssteigerung den Ausgangspunkt bildet, die nicht (oder zumindest nicht vollständig) in den Nominallöhnen weitergegeben wird wie im (in Teil I des Beitrags) geschilderten theoretischen Beispiel? Denn dort zieht doch die reale Nachfrage dank Preissenkung mit und findet zugleich eine Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit statt, oder? Wenn das gelänge, hätte man doch den Stein der Weisen gefunden! Dann wäre eine Angebotspolitik, die sich um die Verbesserung der Produktivität bemüht und aufpasst, dass die nicht komplett in den Löhnen landet, wo sie verfrühstückt würde, doch erfolgreich und im Vergleich zum ewigen Schuldenmachen der Nachfragepolitik der Königsweg aus der Krise, nicht wahr?

Aus zwei Gründen funktioniert auch dieses Rezept nicht. Zum einen müsste man, um eine Produktivitätssteigerung überhaupt zur Verfügung zu haben, einen Sachinvestitionsboom entfachen, weil Produktivitätszuwächse nicht vom Himmel fallen, sondern in der Regel an die Verbesserung oder Erweiterung des Sachkapitals gebunden sind. (Durch bessere Auslastung bedingte Produktivitätssteigerungen scheiden als Ausgangspunkt der Strategie aus Sicht der Angebotspolitik von vornherein aus, [...]

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