Archiv | 09.05.2013

Auftragseingang – etwas besser, aber noch lange nicht gut

Der Auftragseingang in der deutschen Industrie hat im März eine leichte Aufwärtsentwicklung gezeigt. Das passt in das Bild einer noch nicht abstürzenden, aber vor sich hin dümpelnden Konjunktur, das wir hier seit Januar zeichnen. Da auch das Bundeswirtschaftsministerium darauf hinweist, dass es außergewöhnlich viele Großaufträge gegeben hat und die Verteilung der Aufträge nach den einzelnen Sektoren der Industrie sehr ungleichmäßig ist, spricht alles dafür, dass es im April wieder eine Gegenbewegung nach unten gibt.

AE März2013-Grafik

Es ist auch vollkommen klar, dass derzeit eine Belebung nur vom Ausland kommen könnte, weil der deutsche Binnenmarkt bei der sich abzeichnenden Einkommensentwicklung nicht über eine Stagnation hinauskommen wird. Ohne eine fundamentale Änderung bei der Lohn- und Gehaltsentwicklung ist eine Wende nicht möglich, mögen die Advokaten der „Reformen“ und der „Flexibilisierung“ sagen, was sie wollen. Aber auch im Rest der Welt, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie China, herrscht, was die Einkommensentwicklung der Massen angeht, ebenfalls Flaute. In Europa herrscht in dieser Hinsicht tiefe Depression. Das zeigt sich u.a. auch daran, dass die Auftragseingänge bei den Konsumgütern insgesamt weiterhin rückläufig sind (-0,7% gegenüber Vormonat und -3,9% arbeitstäglich bereinigt gegenüber dem Vorjahr) und zwar aufgrund der Entwicklung der Orders aus dem Ausland (sowohl Eurozone als auch Nicht-Eurozone). Die Bestellungen in diesem Gütersegment aus dem Inland bringen mit +0,5% (nach +0,2% im Februar) immerhin noch ein mageres Plus zustande, das aber auch die Prognosen einer vom deutschen Konsum gestützten Aufwärtsentwicklung, wie sie etwa der Sachverständigenrat im März in seiner aktualisierten Konjunkturprognose vorausgesagt hat, als unbegründet erscheinen lässt.

Das alles zeigt, dass man nicht darauf vertrauen kann, dass es wenigstens für Deutschland einen einfachen Weg aus dem Tal gäbe, den die Konjunktur nach dem Simpel-Motto „Was runter geht, geht auch wieder rauf“ schon von allein finden werde. Nur wenn, wie sich das in den USA schon wieder abzeichnet, die privaten Haushalte ihre letzten Ersparnisse plündern, kann die „moderne Marktwirtschaft“ halbwegs über die Runden kommen. Statt auf die Verringerung der Sparneigung zu hoffen (die man ja eigentlich doch auch wieder nicht will, wenn man an die Einstellung der schwäbischen Hausfrau zu Fragen der Solidität in wirtschaftlich schwierigen Zeiten denkt), wäre eine Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik klüger. Aber darauf zu hoffen ist wohl noch weltfremder.

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