Archiv | 31.05.2013

Einzelhandel schon wieder auf dem Rückzug

Nachdem noch vor einigen Tagen euphorische Meldungen verbreitet wurden über die überbordende Kauflaune der Deutschen, zeigen die harten Fakten wieder einmal genau das Gegenteil. Der Einzelhandel in Deutschland sah Anfang des Jahres zwei kurze Monate ein ganz klein wenig besser aus, aber das war im Frühjahr (der gestern veröffentlichte Wert ist der von April) schon wieder zu Ende.

Das ganze Elend der deutschen Binnenkonjunktur kommt in einer etwas längeren Reihe gut zum Ausdruck. Beginnt man die Betrachtung der preisbereinigten Umsätze seit Januar 1995, dann zeigt sich, dass der deutsche Einzelhandel – ohne Zweifel der umfassendste Ausdruck der deutschen „Kauflaune“ – seitdem nur auf dem Rückzug ist. Das muss man sich vorstellen: In einer großen Wirtschaft, die in den meisten der hier abgebildeten Jahre gewachsen ist, bleibt die Binnennachfrage, das ist das, wozu wir letztendlich diese ganze Wirtschaft betreiben und uns Tag für Tag abrackern, einfach auf der Strecke.

Einzelhandel

Nichts zeigt besser als diese Entwicklung, welch ein absurdes wirtschaftspolitisches Modell sich in Deutschland über die Jahrzehnte festgesetzt hat. Dass das anhand einer solchen Zahl nicht einmal von der größten Oppositionspartei der Regierung um die Ohren gehauen wird und die Medien nicht aufheulen, ist aber der eigentliche demokratische Skandal.

Genau das Gegenteil ist sogar der Fall. Die meisten deutschen Medien betätigen sich wie gehabt als Volksberuhiger. Das Handelsblatt schafft es, im Anschluss an die Katastrophenmeldungen vom Einzelhandel noch einmal den gerade widerlegten GfK-Index aus der Mottenkiste zu holen: „Der Einzelhandelsverband erwartet im Gesamtjahr ein Plus von 1,0 Prozent. Das Kauflaune der Deutschen ist derzeit so gut wie seit fast sieben Jahren nicht mehr, wie die GfK-Forscher bei ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern kürzlich herausfanden. Grund dafür sind die niedrige Arbeitslosigkeit, steigende Löhne und niedrige Inflation. Geringe Zinsen machen zudem das Sparen unattraktiv.“ Das ist wie die Häkchen nach oben an den Prognosen, das wir vor kurzem beschrieben haben. Wer wird denn die Wahrheit sagen wollen, wenn es doch so einfach ist, die Wahrheit zu manipulieren.

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