Archiv | 20.06.2013

Es ist geschafft: Die Welt hat einen (wachsenden) Leistungsbilanzüberschuss

Uns ist es auch erst jetzt aufgefallen, aber in der Frühjahrsprognose der Europäischen Kommission (ein wegen der darin enthaltenen Zahlen für die Vergangenheit (!) lesenswertes Dokument) wird auf Seite 160 ein interessantes Faktum dokumentiert: Die Welt weist einen rasant zunehmenden Leistungsbilanzüberschuss auf.

Dass dies in einer Größenordnung von um die 200 Milliarden US Dollar, ja sogar 400 Milliarden (im Jahr 2006) überhaupt ex post möglich war, liegt im Wesentlichen an statistischen Unstimmigkeiten von Export- und Importdaten. Weltweit gesehen müsste die Summe aller Importe ja theoretisch gleich der Summe aller Exporte sein, d.h. die Leistungsbilanz immer aus logischen Gründen ausgeglichen sein. Importe werden aber offenbar tendenziell unterschätzt, so dass die Welt insgesamt statistisch gesehen einen Leistungsbilanzüberschuss ausweist. Vielleicht liegt es ja daran, dass deutsche Politiker an die Überschussstrategie als unbegrenzte Lösung für Wirtschaftsprobleme glauben?

Jedenfalls macht sich die EU-Kommission bei ihrer Prognose diese statistische „Unschärfe“ zunutze, um ihre Prognose „rund“ zu kriegen. Außer den USA und Lateinamerika weisen alle wichtigen Regionen der Welt Überschüsse im Außenhandel auf. Gerade die Europäische Währungsunion tut sich hervor durch einen rasch zunehmenden Überschuss: Der steigt von 20 Milliarden US-Dollar im Jahr 2011 auf von der Kommission geschätzte 240 Milliarden im Jahr 2013. [...]

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