Der Euro spaltet Europa nicht – er verbindet!

Gastbeitrag von Willi Koll*

Der Euro spaltet Europa: Diese These hatte es in den deutschen Bundestags-Wahlkampf geschafft. Aber ist es wirklich der Euro, der spaltet? Die Gefahr einer Spaltung Europas als Folge der Eurokrise ist leider real. Aber es ist nicht der Euro, der spaltet, sondern eine schon seit Beginn der Eurozone verfehlte nationale wie europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik. Wer die Spaltung Europas verhindern will, sollte sich deshalb nicht gegen den Euro wenden, sondern sich für eine bessere Politik unter Erhalt des Euro einsetzen.

Inzwischen hat es in den Krisenländern erhebliche Korrekturen gegeben: massive Einschnitte im Bereich der Arbeitsmärkte, der Steuer- und Sozialsysteme sowie der Administration. Eine drastische Senkung der Lohnstückkosten und damit eine Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit in Griechenland und Irland. Der – zu hohe – Preis: eine Schrumpfung der Binnenwirtschaft mit depressiven Ausmaßen bei Wachstum und Beschäftigung. Auch wenn die fiskalischen und außenwirtschaftlichen Defizite zwischenzeitlich rückläufig sind und die Kapitalmärkte eine gewisse Entspannung der Krise signalisieren, bleibt die Lage brisant. Insbesondere die griechische Wirtschaft dürfte auch in diesem Jahr schrumpfen, und zwar um knapp 5 %. Europa beklagt ein verlorenes Jahrzehnt. Es ist dabei unredlich zu behaupten, dass der tiefe wirtschaftliche Einbruch der Südländer „alternativlos“ war. [...]

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