Archiv | 04.09.2013

Heute ist Deutschland wieder ein erfolgreiches und starkes Land

Für die Bundestagswahl 2013 haben CDU und CSU ein Regierungsprogramm 2013-2017 veröffentlicht, das den Satz enthält „Heute ist Deutschland wieder ein erfolgreiches und starkes Land, eines der stärksten weltweit“ (S. 3). So einen Satz kann nur schreiben, wer die folgende Grafik noch nie gesehen hat oder jedenfalls mit „Erfolg“ etwas umschreibt, das bei (zu) vielen ganz offensichtlich nicht ankommt:

2013_09_04_Kinderarmut_KarteDas Bild zeigt bezogen auf Landkreise und kreisfreie Städte den prozentualen Anteil der Kinder, die in Hartz-IV-Familien leben, in so genannten Bedarfsgemeinschaften[1]. (Und zwar sind das jeweils Prozentangaben bezogen auf die gleiche Zahl an Kindern. Nicht dass jemand meint, in den dunkler gefärbten Gebieten lebten besonders viele Kinder.) Dunkle Kreise haben hohe Anteile, helle Kreise haben niedrige Anteile. Spitzenreiter sind Gelsenkirchen (35,0%), Bremerhaven (34,6%) und Halle an der Saale (34,3%).

Insgesamt wirkt die Grafik wie eine Wetterkarte: Das Tiefdruckgebiet der Armut liegt eindeutig im Osten und in den Großstädten. Sonnenschein herrscht dagegen im reichen Süden, also den exportstarken Landstrichen, die am lautesten gegen den Länderfinanzausgleich wettern. Diese Art von Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland hat jedenfalls weiterhin Bestand bzw. zwischen Nord- und Süddeutschland baut sich eine neue auf. Wenn sich die Anhänger einer Verringerung des Länderfinanzausgleichs durchsetzen, kann man das regionale Armutswetter für die nächsten zwanzig Jahre unschwer vorhersagen. Mit Chancengleichheit hat das jedenfalls nichts mehr zu tun und auch nichts mit der viel beschworenen „Bildungsrepublik“, die unsere aus den neuen Ländern stammende Bundeskanzlerin so gern an die Wand malt.

 


[1]  Datenstand April 2013, Quelle: statistik.arbeitsagentur.de und www.regionalstatistik.de, eigene Berechnungen.

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