Die Arbeitslosigkeit in Deutschland steigt deutlich

„Im Zuge der einsetzenden Herbstbelebung ist die Arbeitslosigkeit von August auf September zurückgegangen. Insgesamt zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt in einer guten Grundverfassung, gleichzeitig werden aber strukturelle Probleme immer deutlicher“, sagt Heinrich Alt, seines Zeichens Vorstand Grundsicherung der Bundesagentur für Arbeit heute bei der monatlichen Vorstellung der Arbeitsmarktdaten.

Falscher kann man es eigentlich nicht mehr sagen. In Wirklichkeit ist die Zahl der Arbeitslosen im September 2013 (saisonbereinigt natürlich) um 25 000 gestiegen, was zeigt, dass es keine Herbstbelebung gibt (außer der unsinnigen Aussage, dass im September der Urlaub allgemein vorbei ist). Auch ist der Arbeitsmarkt nicht mehr in einer guten Grundverfassung, denn, wie in dem beiliegenden Bild klar zu erkennen, steigt schon seit Beginn des Jahres 2012 die Arbeitslosigkeit ohne Unterbrechung von Quartal zu Quartal. Seit dem niedrigsten registrierten Wert von 2,865 Millionen im ersten Quartal 2012 ist sie um 90000 auf 2,955 Millionen gestiegen.

2013_10_01_Arbeitslose quartalsweiseNoch absurder aber ist die Aussage von Herrn Alt, dass die „strukturellen Probleme immer deutlicher werden“. Wieder ist es genau umgekehrt: Die konjunkturellen Probleme werden deutlicher. Die deutsche Wirtschaft ist in einer lang anhaltenden Flaute, in der die Unternehmen immer mehr dazu übergehen, ihre Arbeitskräfte der sinkenden Auslastung der Kapazitäten anzupassen. Das ist aber erst der Anfang. Eine Reihe von Großunternehmen hat schon angekündigt, im Rahmen von Sparmaßnahmen in großem Stil Arbeitskräfte „freizusetzen“. Siemens spricht von 5000 Entlassungen in Deutschland, die chemische Industrie von mehreren Fällen von Entlassungen von 1000 Personen. Das ist Konjunktur und sonst nichts. Jetzt schon wieder „strukturelle Probleme“ an die Wand zu malen ist reine neoklassisch-neoliberale Ideologie, die darauf hinausläuft, die nächsten Kürzungen bei der Arbeitsmarktpolitik oder im Sozialbereich allgemein vorzubereiten.

Man muss jetzt erkennen, worauf wir schon viele Male hingewiesen haben, dass die deutsche Wirtschaft seit 1 ½ Jahren von der europäischen Krise voll erfasst worden ist und sich keineswegs schon auf der Talsohle befindet. Das zeigt auch die Unterbeschäftigung, die seit Frühjahr 2012 bei 3,9 Millionen praktisch stagniert und eben nicht mehr, wie das vorher der Fall war, kontinuierlich sinkt. Tatsächlich hat die Entlastung des Arbeitsmarktes durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen im September abgenommen. Wie dem aber auch sei, 3,9 Millionen Menschen, die selbst nach der offiziellen Statistik (die vieles noch schön rechnet, worauf die „Nachdenkseiten“ regelmäßig hinweisen) nicht auf eine Besserung ihrer Lage hoffen können, sind ein Dauerskandal und müssten die Koalitionsverhandlungen und die politische Diskussion dominieren.

2013_10_01_Arbeitslose Unterbesch monatlAber dass sich die FAZ heute nicht entblödet, die wirklich schlechte Entwicklung im September mit der Überschrift „Noch weniger Arbeitslose in Deutschland“ zu versehen, zeigt, auf welche Weise man mit dem Problem umgeht: Verschleiern und Verschweigen. Dass dann der erste Satz des Berichtes in der FAZ auch noch lautet „Immer weniger Arbeitslose“, ist ein neuer beredter Beleg für den Niedergang eines unabhängigen Journalismus.

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