Ifo-Index gesunken – Überraschung?

Was für uns überhaupt keine Überraschung ist, hat die Gemeinde der Gläubigen an den immerwährenden Aufschwung doch hart getroffen. Der von ihnen besonders beachtete Index des ifo-Instituts hat im Oktober Schwäche gezeigt. Der Kommentar des ifo-Instituts dazu: „Der weitere Geschäftsverlauf wird von den Unternehmen etwas weniger optimistisch als im Vormonat beurteilt.“ Die Lage werde von den Firmen nur ein klein wenig schlechter bewertet, zitiert die FAZ den scheidenden ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. „Sie ist jedoch weiterhin überdurchschnittlich. Die deutsche Konjunktur nimmt noch nicht volle Fahrt auf.“

Hier noch einmal im Vergleich der ifo-Index und die Auftragseingänge in der deutschen Industrie. Wie man da von „noch nicht volle Fahrt“ sprechen kann und damit wohl suggerieren möchte, dass ein kräftiger Aufschwung unmittelbar vor der Tür steht, ist nicht nachzuvollziehen. Unsere Beschreibung von der „vollen“ Flaute trifft die Lage da weit besser. Es tut sich nichts Wesentliches, weder nach oben noch nach unten. Das Niveau des ifo-Index spielt für die Beurteilung der Lage, wie wir schon einige Male dargelegt haben, keine Rolle.

ifo und AE

Es gibt weltweit und in Europa einige Anzeichen dafür, dass sich die Lage zu Beginn des Herbstes nicht verbessert, sondern weiter eingetrübt hat. Das wäre dann der globale triple-dip oder die Fortsetzung der Stagnation mit deflationären Tendenzen, was man auch die Bestätigung des von uns immer wieder warnend erwähnten japanischen Szenarios nennen kann.

Dass angesichts dessen der scheidende Bundeswirtschaftsminister (ebenfalls laut FAZ) sagt: „Die jetzige Bundesregierung hinterlässt somit ein gut bestelltes Feld“ und „Es bleibt zu hoffen, dass die künftige Bundesregierung daran anknüpft, so dass die deutsche Wirtschaft auch in den nächsten Jahren so erfolgreich bleibt“, kann man wohl nur als Wirklichkeitsverdrängung interpretieren. Die Europäische Währungsunion ist in großer Gefahr, Deutschland steht vor dem Nichts, wenn sie zerfällt, und der Mann redet von einem „gut bestellten Feld“. Sein Nachfolger wird sich dieser Sicht der Dinge binnen Kürze nicht anschließen wollen, da sind wir uns ziemlich sicher.

Es zeigte sich schon in der Gemeinschaftsdiagnose und es wird sich im Gutachten des Sachverständigenrates erneut zeigen, was in den nächsten Wochen ins Haus steht: Die deutsche Wirtschaft hat mit ihrer extremen Exportabhängigkeit (Leistungsbilanzüberschuss von 170 Milliarden und ein Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt von mehr als 50 Prozent) eine Struktur, die nicht zukunftsfähig ist. Man muss in den Prognosen diese extremen Werte der Verschuldung des Rests der Welt bei uns fortschreiben, um überhaupt auf positive Wachstumsraten zu kommen. Und man muss einen Optimismus bezüglich der Investitionstätigkeit an den Tag legen, der ebenfalls durch nichts gedeckt ist. Unser ceterum censeo steht: Ohne Belebung der Einkommenssituation der privaten Haushalte gibt es weder in Deutschland noch in Europa und der Welt eine konjunkturelle Wende zum Besseren. Die Ideologen und Lobbyisten, die das mit allen Mitteln bekämpfen – wie derzeit wieder in der Debatte um den deutschen Mindestlohn –, schießen sich selbst ins Bein.

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