Archiv flassbeck-economics | 29.11.2013 (editiert am 25.05.2016)

Vor der neuen (großen) Koalition – Wie man auf einfache Art beweisen kann, dass die Agenda-Politik in Deutschland gescheitert ist und ihre Fortsetzung Europa in den Abgrund führt, Teil II

Im ersten Teil dieses Beitrages habe ich empirisch gezeigt, dass der deutsche Sonderweg der Lohnzurückhaltung zu einer gespaltenen Wirtschaft geführt hat, die auf den Export fixiert ist und deren Binnenmarkt stagniert. Das liegt daran, dass das Zurückbleiben der Reallohnsteigerungen hinter dem Produktivitätszuwachs nur über den Exportkanal wirkt, nicht aber über den von den neoklassischen Ökonomen eigentlich erwarteten binnenwirtschaftlichen Kanal.

Dass es die binnenwirtschaftlichen Wirkungen nicht gegeben hat, kann man einfach daran erkennen, dass die binnenwirtschaftliche Nachfrage nicht gestiegen ist. Die neoklassische Idee zur Beseitigung von Arbeitslosigkeit durch Lohnsenkung oder Lohnmoderation beruht ja darauf, dass im Falle einer Lohnsenkung (oder auch eines Zurückbleibens der Reallöhne hinter der Produktivität) die Unternehmen beginnen, ihre Produktionsprozesse umzustrukturieren, indem sie die nun (relativ) billigere Arbeit vermehrt einsetzen und das relativ teurere Kapital (dessen Preis sich nicht geändert hat) ersetzen. Diese Substitution von Kapital durch Arbeit wird, so die „Hoffnung“, tendenziell die Produktivität, die ja Arbeitsproduktivität ist, absenken, so dass keine rationalisierungsbedingten Entlassungen mehr erfolgen.

Diese Substitution hat zwei wichtige Aspekte, die empirisch überprüft werden können: Erstens, es sollte sich zumindest im Zeitablauf erkennen lassen, dass die Produktivität weniger steigt als in vergleichbaren Ländern, die keine Lohnzurückhaltung betrieben haben. Das ist in unserem 5-Länder-Vergleich nur für ein Land der Fall: Italien hat eine sehr schwache Produktivitätsdynamik und eine schwache Reallohnentwicklung, [...]

Nichts schreibt sich von allein!

Nur für Abonnenten

MAKROSKOP ist das Magazin einer Neuen Monetären Ökonomik und damit in Deutschland einzigartig. MAKROSKOP steht für das große Ganze. Wir haben einen Blick auf Geld, Wirtschaft und Politik, den Sie so woanders nicht finden.

Dabei leben wir von unseren Autoren – Quer- und Weitdenkern –, ihren Recherchen, ihrem Wissen und ihrem Enthusiasmus. Gemeinsam scheren wir aus den schmaler werdenden Leitplanken des Denkbaren aus. Wir verlassen die journalistische Filterblase, in der sich viele eingerichtet haben. Wir öffnen Fenster und bringen frische Luft in die engen und verstaubten Debattenräume.

Das verschafft uns nicht nur Freunde.

Wenn Sie uns gerade deswegen unterstützen möchten, dann folgen Sie einfach dem Button. Alle Abonnements beginnen ganz unverbindlich und sofort kündbar mit einer zweiwöchigen Testphase.

Testen Sie Makroskop

Anmelden