Die monetäre Limitierung des Wohlstands

In armen Ländern wird nicht weniger hart gearbeitet, nur ist die harte Arbeit weniger effizient. Der Feldarbeiter, der nicht Chefarzt werden konnte, am Rand der Straße ein Zeitungsverkäufer, der Ingenieur sein könnte, die Putzfrau, die keine Stelle als Dolmetscherin bekam. Alle arbeiten noch härter, als sie es für bessere Berufe gezwungen wären. Aber für Krankenhäuser mit Chefärzten und die Behandlung der Patienten fehlte Geld, das gespart werden musste. Der Ingenieur hätte die Maschinen gebaut für die Feldarbeit, die man noch von Hand erledigen muss, aber der Bauer hat für Maschinen kein Geld, weil die Konsumenten kein Geld haben, darum muss der Ingenieur am Straßenrand Zeitungen verkaufen.

Wohlstand resultiert nicht aus härterer Arbeit und größerer Sparsamkeit, die einen besseren Kapitaleinsatz in der Produktion ermöglichen würde, jedenfalls gilt dies nicht für die Gesamtwirtschaft.

Dass die harte Arbeit nicht viel einbringt, liegt an der Art der Tätigkeit. Die Maschine zu bedienen, ist weniger anstrengend, als die Arbeit von Hand zu machen. Die Maschine zu produzieren, würde auch das Einkommen schaffen, sie zu kaufen, da hatte der französische Ökonom Say völlig Recht.

Ist die Ursache von Armut die Sparsamkeit, zu der arme Menschen in armen Ländern gezwungen sind? Alle Erfahrungen mit Wirtschaftskrisen bestätigen dies. Die ungerechte Verteilung der Einkommen festigt diese Verhältnisse und verhindert wachsenden Wohlstand.

In den USA wurde 1932 nicht weniger hart gearbeitet als 1929, aber weniger effizient. Menschen hatten ihren gut bezahlten Job in effizienten Fabriken mit der Krise verloren, die Fabriken waren außer Betrieb und bankrott, die Kunden konnten sich ohne deren Lohn die Güter nicht mehr leisten. Eigentlich hatte sich gegenüber dem Jahr 1929 nur eines geändert, dass die Menschen durch die Krise das Geld sparen mussten, das sie 1929 noch bedenkenlos ausgegeben haben, ausgegeben und dadurch wieder verdient haben.

Wir müssen den Ökonomen Say und sein Gesetz endlich richtig verstehen: Es gibt nur den Grund für die Krise, dass wir uns unsere optimal arbeitsteilig produzierte Leistung gegenseitig nicht abkaufen, wodurch jeder gezwungen ist, sich mit weniger effizienter Arbeit durchzuschlagen. Sparsamkeit ist der Grund für Krisen wie für dauerhafte Armut. Armut senkt den Widerstand der Menschen gegen Korruption und Kriminalität, so dass sich die Armut in diesen Ländern ohne Aussicht auf Besserung durch die Gesellschaft frisst. Sogar bei uns schwächt die Sorge um Job und Karriere das Engagement von Studenten gegen fragwürdige Lehren ihrer Professoren, nicht nur in der VWL.

Man hat in den USA 1937 den Haushalt ausgleichen wollen und so die nächste schwere Rezession ausgelöst. Deshalb dauerte es bis zum Weltkrieg, ehe die Wirtschaft wieder auf vollen Touren arbeiten durfte, nicht weil Krieg der Vater aller Dinge wäre, sondern weil in diesen Zeiten die Forderung nach mehr Sparsamkeit und Haushaltsausgleich vor dem Kriegsgericht enden würde.

Es fehlt kein Geld, es fehlt kein Kapital, es fehlt nicht an harter Arbeit. Es fehlt nur aus durchsichtigen ideologischen Gründen und unreflektierten Interessen an der Bereitschaft, sinnvolle Ausgaben zu ermutigen, weil wir Geld nur damit verdienen, dass jeder es wieder ausgibt und nicht sparen will.

Nicht zufällig kam das Ende der Vollbeschäftigung mit der Stabilitätspolitik zu Beginn der 1980er Jahre.

Gegen die monetäre Beschränkung des Wohlstands durch das Sparen von Geld hilft eine gesteuerte Inflationierung. Wie der Goldstandard zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise aufgegeben werden musste, werden wir auf stabiles Geld verzichten müssen, denn davon würde zu viel gespart mit allen nun wieder bekannten Auswirkungen.

Nach über drei Jahrzehnten neoliberaler Angebotspolitik brauchen wir heute eine Rückbesinnung auf die unverfälschten Lehren von Keynes.

Bisher in dieser Serie erschienen:
Keynes in einem Satz
Keynes hat die Produktionsfunktion umgedreht
Die Zerstörung von Kapital in der Krise
Wie Keynes die orthodoxe Ökonomie widerlegt hat
Die monetäre Konjunkturtheorie von Keynes
Etwas Saldenmechanik
Die neoklassische Arbeitsmarkttheorie
Welche Schuld hat die VWL an unserer Krise?
Gesamtwirtschaftliches Denken

 

Anmelden