Die Monetäre Theorie der Produktion – Eine zehnteilige Serie von Wolfgang Waldner

In den kommenden zehn Tagen, also von kommenden Montag bis zum Beginn der Weihnachtspause, geben wir Wolfgang Waldner die Möglichkeit, seine Sicht der Makroökonomie darzulegen und damit einer breiteren Öffentlichkeit zur Diskussion anzubieten. Wir haben so etwas in dieser Ausführlichkeit bisher noch nicht getan, wollen auf diese Weise aber auch andere ermutigen, entweder auf Herrn Waldners Serie zu antworten oder einen eigenständigen Beitrag zur makroökonomischen Diskussion zu leisten. Mir ist Wolfgang Waldner schon vor vielen Jahren durch einen äußerst intelligenten Artikel zu Say’s Law aufgefallen, also der oft als Schlachtruf benutzten Aussage, das Angebot schaffe sich seine Nachfrage.

Wolfgang Waldner, geboren 1954, veröffentlichte zuletzt einige Bücher über Wirtschaft, Geschichte und Politik, wie zum Beispiel die Trugschlüsse der Volkswirtschaftslehre, ohne jemals Volkswirtschaftslehre an einer Universität studiert gehabt zu haben. Mit mehreren Leserbriefen und einem Artikel in der Wirtschaftswoche widersprach Wolfgang Waldner schon Anfang der achtziger Jahre in fundierter Weise den neoklassischen und neoliberalen Lehren und hat das Thema Ökonomie ganz privat bis heute weiter verfolgt.

Die Geldpolitik und das Werk von John Maynard Keynes sind sein spezielles Hobby und persönliches Anliegen. Beruflich hatte er mit Computern und Software zu tun und war einmal in der Filiale eines bayrischen Elektrohauses der Abteilungsleiter für Computer. Heute ist er arbeitslos und sieht sich, wie er uns schreibt, „einem Jobcenter ausgeliefert“. Mehr zu seinen Theorien und seinem Ansichten findet man hier.

Was ist eine monetäre Theorie der Produktion?

Einleitung zu der Serie von Gastbeiträgen von Wolfgang Waldner

Das schlagende Argument der Vertreter der angebotsorientierten Schule ist die angeblich überlegene Effizienz der Allokation durch den Markt. Ausgaben des Staates seien mit hohen Allokationshemmnissen verbunden und würden negativ auf das Wachstum wirken. Kreditfinanzierte Staatsausgaben gelten als extreme Schädigung der optimalen Allokation und des Wachstums, weil sie nach dieser Theorie private Investitionen durch ein Crowding Out am neoklassischen Kapitalmarkt verhindern.

Nach der monetären Theorie der Produktion von John Maynard Keynes ist das alles völlig falsch und geradezu grotesk. Allerdings wurden die von Keynes formulierten Argumente nie wirklich aufgegriffen und gegen die Thesen der Angebotspolitik gewendet. Die Theorie der Monetary Economy von Keynes blieb totgeschwiegen und es ist immer noch unsere Aufgabe und Pflicht, das zu ändern.

Um gleich das wichtigste Missverständnis auszuräumen: Die monetäre Theorie der Produktion hat nicht die Aufgabe, die Rolle des Geldes in der Wirtschaft besonders ausführlich zu erörtern und in allen Einzelheiten wie Bargeld und Giralgeld und Wechsel und Diskont und Lombard mit der Funktion der Banken bei der Vorfinanzierung der Produktion und der Rolle der Geldpolitik der Zentralbanken in dicken Büchern dem Laien darzulegen. Jedenfalls hätte dies mit der monetären Theorie der Produktion von Keynes nichts zu tun und was als Monetary Economics an den Universitäten heute gelehrt wird, verhindert die notwendigen Erkenntnisse.

Die monetäre Theorie der Produktion sieht Produktion und Einkommen einer Ökonomie von monetären Mechanismen bestimmt – und nicht zum Beispiel vom Einsatz der Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit.

Die orthodoxe Ökonomie arbeitet sich an ihrer Produktionsfunktion ab, in der es um die Steigerung des Einsatzes der Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit geht. Das hat weitreichende Auswirkungen auf die Theorie der Ökonomen wie auf die politischen Handlungsanweisungen auf der Basis dieser Theorie. Immer soll gespart werden, um die Investitionen der Unternehmen zu fördern. Profit sei daher gut für das Wachstum und Konsum vergeude nur die für zusätzliche Investitionen dringend benötigten Mittel.

Nach der monetären Theorie der Produktion sind die orthodoxen Lehren nicht nur völlig falsch, sondern in ihren ökonomischen Auswirkungen verheerend. Ohne jede Einschränkung muss die orthodoxe Lehre für den schweren Schaden für Menschen und Ökonomien verantwortlich gemacht werden, der von Wirtschaftskrisen wie etwa der Weltwirtschaftskrise 1929-33 oder der Massenarbeitslosigkeit durch die neoliberale Politik seit den 1980er Jahren bis heute verursacht wurde.

Zuletzt wird die monetäre Theorie der Produktion erweisen, dass der mögliche Wohlstand einer Gesellschaft, in der die Wirtschaftspolitik nach orthodoxen Vorstellungen gestaltet wird, monetär beschränkt ist. Damit wird die orthodoxe Lehre vom freien Markt zum größten Allokationshemmnis der Ökonomie.

Das Geheimnis dieser monetären Schranke des Wohlstands enthüllt sich dem Betrachter mit der Erkenntnis, dass das Sparen in einer Ökonomie nicht unbegrenzt möglich ist und welche Folgen sich daraus ergeben.

Eine Ökonomie kann nämlich kein Geld sparen, der Saldo von Forderungen und Schulden ist immer Null. Damit beschränkt sich die gesamte Ersparnis von uns allen auf die Nettoinvestition der Ökonomie. Investitionen sind riskant und konkurrieren mit Geldanlagen und selbst mit dem Bargeld. Geldwertstabilität ist eine schwerwiegende Hemmung der Nettoinvestition und senkt so unsere Ersparnis, weil eine Ökonomie in ihrem stabilen Geld ja gar nicht sparen kann. Geld sparen kann immer nur der Einzelne, aber nur in dem Umfang, in dem andere, der eigene Staat oder das Ausland sich verschulden.

Die monetäre Theorie der Produktion von Keynes führt zu der Erkenntnis, dass die mögliche Ersparnis der Ökonomie eine Beschränkung unserer Einkommen bewirkt. Wir alle können als Einzelpersonen unseren Konsum einschränken, um mehr zu sparen. Alle zusammen können wir aber nicht mehr sparen als die Nettoinvestition der Ökonomie, die besonders in Krisen leicht Null wird.

Wenn wir alle unseren Konsum einschränken, um aus unseren Einkommen zu sparen, diese Ersparnis aber insgesamt Null nicht übersteigen kann, dann bewirkt der monetäre Mechanismus der Ökonomie, dass wir uns arm sparen: Unsere Einkommen müssen so tief fallen und die Ökonomie muss so stark verarmen, dass wir nichts mehr sparen können. Das Sparen ist die Ursache von Wirtschaftskrisen.

Ein Beispiel: Wenn der Staat sich verschuldet, soll ein durchschnittlicher Haushalt 500 Euro im Monat sparen können. Ohne Staatsverschuldung müsste das Einkommen des Durchschnittshaushalts so tief sinken, dass die privaten Haushalte im Saldo gar nichts mehr sparen können. Statt der neoklassischen Produktionsfunktion bestimmt genau dieser Mechanismus den Wohlstand und das reale Einkommen jeder Ökonomie.

Das ist unser Thema der monetären Theorie der Produktion nach Keynes, das in den folgenden Artikeln näher ausgeführt wird.

 

Anmelden