Gesamtwirtschaftliches Denken

Die orthodoxe Ökonomie ist vom einzelwirtschaftlichen Denken geprägt. In der Neoklassik ist der Kapitalmarkt das beste Beispiel für die Täuschung durch einzelwirtschaftliche Betrachtung: Wenn Sie Ihr Geld nicht ausgeben, liegt es auf Ihrem Konto und ist von jemandem für seine Güterkäufe geliehen worden. Schadet also das Sparen der Konjunktur doch nicht, weil ein Kreditnehmer mit Ihrem gesparten Geld Güter kauft? Sinken gar die Zinsen, wenn die Haushalte mehr sparen und so das Angebot von Ersparnissen steigern?

Ein lustiges Beispiel für falsche Schlüsse aus einer beschränkten Sicht auf das eigene Bankkonto: Denn wenn Sie Ihr Geld ausgeben, ist es nicht weg, es ist nur in anderen Händen. Da kann es die Bank allerdings auch nicht nochmal verleihen, es ist nämlich schon verliehen, sonst gäbe es das Geld gar nicht. Ihr Sparen sorgt in einer Krise also nicht für ein größeres Angebot von Ersparnissen und sinkende Zinsen. Ganz im Gegenteil wurde mit dem Sparen das unternehmerische Risiko von Schuldnern, die nichts verkaufen konnten, noch erhöht. Die Belebung der Konjunktur durch steigende Nachfrage in einer Krise lässt dagegen den Risikozins wieder sinken.

Der neoklassischen Theorie kam es darauf an, dass Studenten und Publikum das Sparen für wertvoll halten und den negativen Einfluss auf die Konjunktur nicht erkennen. [...]

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