Die Blairisation oder Schröderisierung des François Hollande?

Heute wird der französische Präsident seine zu Jahresbeginn übliche Pressekonferenz geben. Die Erwartungen sind hoch. Vor allem die Erwartungen derjenigen, die, wie gestern der Leitartikler der Süddeutschen Zeitung, Christian Wernicke, darauf hoffen, dass der französische Sozialist endlich zu Kreuze kriecht und bekennt, dass er nun kein Sozialist mehr ist, sondern Blair und Schröder zu seinen Vorbildern erklärt.

Und tatsächlich könnte das Ergebnis dieser Pressekonferenz eine rasante Wende sein, weil der französische Präsident offensichtlich kein progressives Konzept mehr hat, mit dem er der Bevölkerung plausibel erklären könnte, wie er das Land aus der wirtschaftlichen Misere zu führen gedenkt. Interessant ist auch, dass der Journalist der SZ daran erinnert, dass schon einmal ein Sozialist im Präsidentenamt eine große Wende vollzogen hat, der ebenfalls François hieß und Hollandes großes französisches Vorbild ist: François Mitterand. Und wieder, so muss man dann konstatieren, scheitern damit die französischen Sozialisten zuerst an sich selbst, zweitens aber an ihren deutschen Nachbarn.

Als Mitterand 1981 an die Macht kam, wollte er angesichts hoher Massenarbeitslosigkeit sofort eine keynesianische Politik durchsetzen und versuchte, mit Hilfe großer staatlicher Ankurbelungsprogramme der Rezession zu entfliehen. Das Experiment scheiterte am Ende kläglich, weil in Frankreich sofort die Leistungsbilanz ins Defizit und die Währung unter großen Abwertungsdruck geriet. [...]

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