Der Kredit, das unbekannte Wesen

Ein Gastbeitrag von Fabian Lindner

Wie entsteht Kredit? Befragt man Menschen auf der Straße und Volkswirtschafts-Professoren auf ihren Kathedern zu dieser gerade in Schuldenkrisen fundamentalen Frage, werden sie in etwa Folgendes antworten: Kredit entsteht, wenn jemand weniger konsumiert und mehr spart, das ersparte Geld auf die Bank legt und diese das Geld an willige Schuldner verleiht. Spart aber niemand, hat die Bank kein Geld und kann keinen Kredit vergeben – Unternehmen erhalten dann keine Kredite mehr und können nicht mehr investieren.

Die Professoren behaupten noch mehr: Sparen ist nicht nur erste Bürger- sondern auch Politikerpflicht. Wenn der Staat das sauer Ersparte seiner Bürger anstelle der Unternehmen zur Finanzierung seiner Defizite verwendet, nimmt er den Unternehmen die Kredite weg. Schließlich kann nicht mehr Kredit vergeben werden, als vorher gespart wurde. Das gefährdet Wachstum und Beschäftigung. Fängt der Staat aber endlich selbst mit dem Sparen an, sprudelt es auch aus dem Kredithahn und die Investitionen steigen (Belege, dass und welche Professoren solche Behauptungen aufstellen, finden Leser hier).

So plausibel das alles auf den ersten Blick klingen mag: Die Vorstellung, für die Kreditvergabe müsste jemand seine Ausgaben reduzieren und mehr sparen, ist grundfalsch. [...]

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