Reallöhne 2013 noch stärker gesunken als erwartet, Nominallöhne extrem schwach mit schlimmen Folgen für den Euro

Wir hatten schon am 19. Dezember darauf hingewiesen, dass das Statistische Bundesamt erwartet, dass für das gesamte Jahr 2013 die Reallöhne, gemessen am Reallohnindex des Amtes, fallen werden. Nun meldet das Amt, dass der Rückgang mit 0,2 Prozent etwas stärker war als zunächst (mit -0,1 Prozent) vermutet und damit übrigens genau so stark wie im Krisenjahr 2009.

Die Nominallöhne (die hier in einer Kopfbetrachtung eingehen, bei der auch Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte enthalten sind) sind mit 1,3 Prozent Zuwachs 2013 – mit Ausnahme des Rezessionsjahres 2009, da waren es nur 0,1 Prozent wegen des extrem starken Anstiegs der Kurzarbeit – so schwach gestiegen wie zuvor nur in den Jahren 2003 bis 2006 und 1996 bis 1999. Rechnet man Sonderzahlungen wie z.B. Weihnachtsgeld oder erfolgsabhängige Boni aus dem Nominallohnindex heraus, beträgt sein Anstieg zwar etwas mehr, nämlich 1,7 Prozent, weil die Sonderzahlungen rückläufig waren. Aber auch 1,7 Prozent ist extrem wenig, vor allem wenn man, wie es das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie tut, davon spricht, dass im Jahr 2013 „die deutsche Wirtschaft auf einen stabilen Erholungskurs eingeschwenkt“ ist (Jahreswirtschaftsbericht S. 7). In der unten stehenden Abbildung ist die Entwicklung der Nominallöhne in Quartalswerten gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum dargestellt (rote Linie).

Der Index der Arbeitskosten je geleisteter Arbeitsstunde (blaue Linie), der in Hinblick auf die Kostensituation der Unternehmen aussagekräftiger ist, befindet sich ebenfalls auf dem Weg nach unten und liegt im vergangenen Jahr trotz des Ausreißers im ersten Quartal im Jahresdurchschnitt unter zwei Prozent.  Man kann an der Abbildung übrigens gut erkennen, wie brutal vor allem in den Jahren 2005 und 2006 die Löhne nach unten gedrückt wurden, um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Abbildung

Arbeitskosten und LöhneDas muss man sich vorstellen: In einer Währungsunion, in der die Inflationsrate regelmäßig 1,9 Prozent betragen soll, steigen im wichtigsten und größten Land die Nominallöhne (pro Stunde) weniger als die von allen Ländern gemeinsam als Ziel festgelegte Inflationsrate, obwohl die Produktivität in diesem Land im Trend steigt (selbst wenn sie in den beiden letzten Jahren nur wenig zugenommen hat).

Und das passiert im Jahr fünf der Eurokrise, die ursächlich auf das deutsche Lohndumping zurückzuführen ist. Und noch schlimmer: Die verantwortlichen Politiker schweigen dazu! Selbst der sozialdemokratische Wirtschaftsminister, der sich eigentlich zu einer Änderung der Lohnentwicklung bekannt hat (weil er die Ursache der Eurokrise kennt?), stellt nicht klar, dass diese Lohnentwicklung ein Skandal ist und auf der Stelle, also schon 2014 korrigiert werden muss. Stattdessen sagt der Innenminister, die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di würde „maßlose Lohnforderungen“ für den öffentlichen Dienst aufstellen, wenn sie etwa 6,7 Prozent für die Beschäftigten von Bund und Kommunen fordert. Jeder weiß, dass in der Regel nur die Hälfte der Forderung erreicht wird. Da die Bundesländer schon bei unter drei Prozent für 2014 abgeschlossen haben, wäre mehr als drei Prozent ein großer Erfolg; doch das ist leider kaum zu erwarten.

Mit dieser deutschen Lohnentwicklung ist eine lang anhaltende Deflation in Euroland vorgezeichnet.

Anmelden