Archiv | 07.03.2014 (editiert am 25.05.2016)

Unser Geldsystem VI – Flexible Löhne oder flexible Gewinne?

Die Ölpreiskrisen brachten nicht nur für die Geldpolitik bedeutsame Einsichten, sie hätten auch zu einem besseren Verständnis des Verhältnisses von Geld- und Lohnpolitik beitragen können und zu einer neuen Rollenverteilung in der Wirtschaftspolitik, wäre man bereit gewesen, unvoreingenommen über die Erfahrungen nachzudenken und zu reden, die in den siebziger Jahren gemacht wurden.

Das Verblüffendste hätte für neoklassisch/monetaristische orientierte Ökonomen sein müssen, dass die Lohnpolitik ganz entscheidend für die Inflationsentwicklung war. Ohne die unterschiedliche Lohnentwicklung systematisch heranzuziehen, konnte man nicht erklären, warum sich in manchen Ländern aus der einmaligen Preissteigerung für Öl eine dauerhaft höhere Inflationsrate ergab und in anderen nicht. Die Geldpolitik versuchte ja in allen großen Ländern mit Zinserhöhungen, eine Inflationsbeschleunigung zu verhindern. Insofern schied eine zu expansive Geldpolitik als Ursache der Inflationsbeschleunigung in den Ländern aus, die am Ende mit dauerhaft höheren Inflationsraten dastanden. Das hätte jeden Ökonomen an der Stichhaltigkeit des Monetarismus zweifeln lassen müssen.

Angesichts dieser für sie sehr schwierigen Erkenntnislage retteten sich viele Ökonomen wieder in die üblichen allgemeinen Floskeln von der Flexibilität und der Rigidität. Löhne müssten eben flexibel sein, sagten sie und verwiesen als Beispiel auf Deutschland, wo die Inflationsrate Anfang der achtziger Jahre wieder sehr rasch gesunken war. [...]

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