Theorie mit Empirie – Garant für Glaubwürdigkeit? (Teil 2)

Letzte Woche habe ich zu der Frage Stellung genommen, inwiefern eine empirisch fundierte volkswirtschaftliche Theorie Glaubwürdigkeit für sich beanspruchen kann. Das Ergebnis meiner Überlegungen war, dass das theoretische Fundament nicht nur eine empirische Bestätigung braucht, sondern in sich logisch widerspruchsfrei sein und die Volkswirtschaft umfassend abbilden muss, damit es Glaubwürdigkeit verdient und hilfreich für die wirtschaftspolitische Praxis ist. Zur Illustration dieser Forderung nun im zweiten Teil dieses Beitrags ein konkretes Beispiel dafür, wie eine rein empirisch gestützte und für viele Menschen dadurch sehr überzeugend wirkende Theorie, die die anderen beiden Bedingungen nicht erfüllt, ins wirtschaftspolitische Chaos führt.

Die Rede ist von der jahrelangen deutschen Lohnmoderation. Seit fünfzehn Jahren sind die Reallöhne im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft kaum gestiegen, während die Stundenproduktivität in einer Größenordnung von 1 bis 1 ½ Prozent zulegte. Vorschub für diese Entwicklung lieferte die Theorie, dass Arbeitslosigkeit durch zu hohe Löhne entstehe und durch Lohnmoderation, also die Unterschreitung der goldenen Lohnregel bei den Lohnabschlüssen, gesenkt werden könne.

Politisch gelang die praktische Umsetzung dieser Theorie zuerst durch die Bildung eines runden Tisches im Jahr 1999, an dem die Tarifparteien und die Regierung Platz nahmen, um sich auf die „Reservierung von Produktivitätszuwächsen für mehr Beschäftigung“ zu einigen. [...]

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