Die Deflationsleugner

Vor einem Monat hatte ich auf das wundersame Phänomen hingewiesen, dass es eine starke Asymmetrie in der Beurteilung von Inflations- und Deflationsgefahren in Deutschland gibt. Ich schrieb damals: „Stellen wir uns vor, die Inflationsrate in Europa würde um genauso viel nach oben von dem 1,9-Prozent-Ziel der EZB abweichen, wie sie derzeit nach unten abweicht. Dann hätten wir rein rechnerisch Inflationsraten von 3,3 Prozent. Man kann ganz sicher sein, dass in den Gazetten das Ende der Welt ausgerufen würde.“

Nun ist im Mai die Preissteigerungsrate im Euroraum noch einmal niedriger als die für April gemeldeten 0,7 Prozent, sie liegt, wie Eurostat gerade in seiner „Schnellschätzung“ des Harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI) meldet, nur noch bei 0,5 Prozent, wobei selbst in Deutschland ein historisches Tief von 0,6 Prozent (bei der europäisch harmonisierten Messung) erreicht wird. Die obige Rechnung für den Inflationsfall bleibt also gültig, aber die Zahl der Leugner und Abwiegler einer Deflationsgefahr in Deutschland steigt täglich. Besonders hervor tun sich dabei diejenigen, für die auch schon ein Zehntel Abweichung bei der Inflationsrate nach oben den Beginn einer Katastrophe bedeutet. [...]

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