Bretton Woods wird 70

Heute vor 70 Jahren, also noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde in dem kleinen Ort Bretton Woods (im Mount Washington Hotel) in New Hampshire, USA, von 44 (alliierten) Ländern eine Vereinbarung unterschrieben, deren Bedeutung für die globale wirtschaftliche Entwicklung man kaum überschätzen kann. Die gesamte westliche Welt erfuhr danach einen Boom, Vollbeschäftigung und eine enorme Ausweitung der Handelsbeziehungen, ohne dass es zu nennenswerten Krisen gekommen wäre.

Unter der Ägide des Systems von Bretton Woods erlebte der Kapitalismus (oder die Marktwirtschaft, je nachdem, worauf man die Betonung legen will) eine Glanzperiode von über zwanzig Jahren, die für viele Menschen geradezu als Sinnbild für die Fähigkeit des kapitalistischen Systems gilt, in kurzer Zeit Wohlstand für die große Mehrheit der Bevölkerung zu schaffen.

Das aber ist ein falsches Bild. Es war nämlich nicht der Kapitalismus schlechthin, der glänzte, sondern es war ein unter den Regeln von Bretton Woods gezügelter, in enge Schranken gewiesener Kapitalismus, den heute viele nicht mehr ernsthaft als Kapitalismus bezeichnen würden. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen war er so erfolgreich.

Bretton Woods stand nicht nur für feste (aber anpassungsfähige) Wechselkurse der Währungen der Mitgliedsländer gegenüber dem amerikanischen Dollar. Bretton Woods stand für viel mehr: für den Willen der beteiligten Länder, [...]

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