Einwanderung als wichtigstes Wahlkampfthema der AfD: Wer gar nicht betroffen ist, bellt am lautesten

Wenn man die Argumentation der AfD vor und nach den für sie extrem erfolgreichen Landtagswahlen anschaut, ist auffällig, dass Europa und der Euro kaum noch eine Rolle spielen. „Unkontrollierte Zuwanderung“ ist das Hauptthema dieser Partei geworden. Man fragt sich allerdings, wovon dabei in Ostdeutschland die Rede ist. Ausgerechnet in den Ländern, in denen die AfD gestern zweistellige Stimmenanteile erhielt, liegt der Anteil der Ausländer extrem niedrig.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt der Ausländeranteil in Thüringen und Brandenburg um die zwei Prozent (siehe Abbildung, Stand 31.12.2012) und damit am niedrigsten in ganz Deutschland. Aber das ist durchaus typisch: Diejenigen, die am wenigsten betroffen sind, echauffieren sich bei einem solch emotional ansprechenden Thema am meisten.

Ausländeranteil 2012

Geografik Ausländeranteil 2011 nach Kreisen

Quelle: www-genesis.destatis.de

Was die AfD mit ihrer Präsenz in den Landtagen erreichen wird, deutet sich jetzt schon an: Die CDU wird weiter nach rechts rücken und fühlt sich bemüßigt, bei den „Schulden“, beim „Sparen“ und allgemein bei der Durchsetzung vermeintlicher deutscher Interessen noch härter als bisher rechte Positionen zu besetzen. Das ist, selbst wenn sich die AfD am Ende wie die Piraten als Luftnummer erweisen sollte, noch einmal ein ganz schlechtes Omen für Europa. Weil die CDU fürchtet, dass jedes Nachgeben bei ihren Kernthemen unmittelbar Stimmen kostet, sinkt die Wahrscheinlichkeit, zu wirtschaftspolitischer Logik und Vernunft zurückzufinden, auf null.

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Korrektur: Gegenüber der ersten Version dieses Beitrags haben wir die Grafik und den Internetlink ausgetauscht, so dass die Leser jetzt direkt auf das gemeinsame Portal der Statistikämter des Bundes und der Länder in Deutschland geführt werden. Außerdem wurde die Geo-Grafik mit den Ausländeranteilen nach Kreisen und kreisfreien Städten ergänzt.

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