Geldpolitik am Ende oder am Neuanfang?

Glaubt man den deutschen Medien, dann kamen die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag für Experten und Märkte „überraschend“. Dabei waren die jüngsten Nachrichten von der europäischen Preisfront bereits seit einigen Tagen bekannt. Zudem fügen sie sich nahtlos in das trübe Bild, das Preisentwicklung und Konjunktur in Europa seit Monaten abgeben. Selbst alle diejenigen, die die Aufgabe der EZB ausschließlich darin sehen, für Preisstabilität zu sorgen, und die es daher für angemessen halten, dass die EZB keinen Gedanken an Aufgaben in Hinblick auf Konjunktur und Arbeitsmarkt verschwendet, brauchen sich also nicht zu wundern. Denn die seit eineinhalb Jahren anhaltende und zunehmde Verfehlung des vertraglich in den EZB-Statuten vereinbarten Zielwertes für Preisstabilität (unter, aber nahe zwei Prozent) hat eine erneute geldpolitische Reaktion der Zentralbank nahegelegt.

Monat für Monat hat sich Mario Draghi in den EZB-Pressekonferenzen an den Strohhalm geklammert, die mittel bis langfristigen Inflationserwartungen seien fest bei 2 % verankert. Und Monat für Monat ist dieser Strohhalm immer unglaubwürdiger geworden. Denn was bedeutet „mittel- bis langfristig“? Wenn ein leichtes Unterschreiten des Inflationszielwertes, sagen wir, sechs oder auch zwölf Monate hintereinander eintritt, aber keine klare Tendenz in die Abwärtsrichtung zu erkennen ist, [...]

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