Ifo-Index zeigt weiter stark abwärts und auch Frankreichs Wirtschaft schwächt sich erneut ab

Die deutschen Jubelmeldungen zu den positiven Zahlen aus der deutschen Industrie im Juli waren verfrüht. Wie wir es erwartet hatten, sind die Ergebnisse für August offenbar sehr schlecht. Der ifo-Index, der heute veröffentlicht wurde, fällt weiter um fast zwei Punkte und zeigt damit, dass die Entwicklung der Auftragseingänge nach dem Auslaufen des ferienbedingten Arbeitstageeffekts im Juli wieder nach unten gehen wird. Die jetzige Abschwächung macht die leichte Aufwärtsbewegung seit dem Frühjahr 2013 zunichte, auf die der gesamte Mainstream der Prognostiker und der Medien seine Hoffnungen gesetzt hatte.

AE ifo

Das ist jetzt die dritte oder vierte deutliche Abschwächung des Index (je nachdem, ob man die kleine Abschwächung Anfang 2013 dazuzählt) seit dem Ende der Erholung von 2010. Es müsste jetzt jedem verständigen Menschen klar sein, dass man nicht einfach weiter zuwarten kann, ob irgendwo in der Welt etwas Positives passiert. Das deutsche Wachstum, wir haben das im Juli schon erklärt, wird in diesem Jahr viel schwächer sein, als alle Prognostiker vorhergesagt haben. Ohne Anregung von außen wird es weiter verflachen und Deutschland das dritte Jahr einer Quasi-Stagnation bescheren.

Das ist dann nicht nur eine Bankrotterklärung für die Prognostiker, sondern vor allem für die deutsche Wirtschaftspolitik, die glaubte, ohne jede Aktion nur auf den nächsten Aufschwung warten zu müssen, um sich dann im Lichte ihres „Erfolges“ sonnen zu können. Nimmt man hinzu, dass sich auch die Lage in Frankreich nach neuen Umfrage-Daten von INSEE und nach dem Markit-Index (hier ein Bericht der FT zu beidem) im September weiter abschwächt, ist die Europäische Währungsunion weiter auf dem Weg in eine neue Rezession. Angesichts der deutschen Schwäche erweisen sich die Äußerungen deutscher Politiker gegenüber Frankreich und französischen Politikern (wir haben das hier schon einmal aufgegriffen) nicht nur als überheblich, sondern sie belegen auch, dass diese Leute schlecht informiert sind.

Wer jetzt nicht sofort handelt, wer jetzt nicht einsieht, dass die Austeritätspolitik der größte anzunehmende Fehler Europas war und ist, hat jede Glaubwürdigkeit verspielt. Wer jetzt weiter blockiert, will nur noch seine eigenen Vorurteile retten, ohne jede Rücksicht auf die Schäden, die er anrichtet.

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