Professor Bontrup und ein ziemlich alter Trugschluss

Es gibt Argumente, die sind vollkommen falsch, klingen aber ungeheuer einleuchtend, weil sie ein (womöglich uraltes) Vorurteil bestätigen und deswegen das Denken der meisten Menschen in dieser Frage von vorneherein vernebelt ist oder gar nicht erst einsetzt. Eine Leserin fragt, ob denn die einfache Rechnung zur Arbeitszeitverkürzung, die Professor Heinz-Josef Bontrup in einem Interview des Freitag vorführte, so richtig sein kann. Ist sie überhaupt nicht, um es vorwegzunehmen. Aber die Art und Weise, wie Bontrup diese Milchmädchenrechnung verpackt, um ihr die nötige Überzeugungskraft zu geben, ist schon Klasse.

Das Übel Arbeitslosigkeit ist aus Bontrups Sicht Folge des technischen Fortschritts. Maschinen erleichtern den Menschen zwar die Arbeit, nehmen sie ihnen aber auch weg. Das führe zu dauernd steigender Arbeitslosigkeit. Das richtige Mittel dagegen, das Bontrup und mit ihm auch manche Gewerkschafter und viele Grundeinkommensbefürworter empfehlen: die Arbeitszeitverkürzung. In der Gesamtwirtschaft, so Bontrup, „ … gilt eine einfache ökonomische Formel: Wenn die Produktivitätsrate größer ist als die preisbereinigte Wachstumsrate der wirtschaftlichen Leistung, dann entlädt sich das in einem Rückgang des Arbeitsvolumens. Dann müssen entweder Leute entlassen werden oder es sinkt die Arbeitszeit pro Kopf.“

Das ist die sogenannte Scherentheorie. Dazu haben wir am 13. Februar 2013 folgendes geschrieben: „Zunächst muss man klarstellen, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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