Rhetorik und Ökonomie (1)

Gastbeitrag von Joachim Grzega 

Als Leiter des Europäischen Hauses Pappenheim und gelernter Linguist beschäftige ich mich unter anderem mit dem Zusammenhang zwischen Sprache, Denken und Wirtschaftsgeschehen. Sprache formt das Denken. Manche Wörter verursachen historisch tief verwurzelte negative Assoziationen, sodass sie einen neutralen Blick auf die bezeichnete Sache schlecht ermöglichen oder den Kern der Sache vielleicht sogar gänzlich verdecken.

Zu diesen Wörtern gehört Inflation. Dass zu einem wie auch immer gearteten Fortschritt eine gewisse Inflation gehört, dass laut Studien (zum Teil sogar des Internationalen Währungsfonds, März 1996) eine gewisse Preissteigerung sogar förderlich ist und dass im Gegenteil eine zu niedrige Inflation schnell in Deflation und damit Rezession umschlagen kann, gehört nicht zum Allgemeinwissen. Stattdessen scheint Inflation Assoziationen an Zeiten von Hyperinflationen zu wecken. Weder der Ausdruck Deflation noch das damit verbundene Geschehen scheinen dagegen in auch nur ähnlichem Maße in den Köpfen präsent.

In meiner eigenen Schulzeit habe ich Ende der 1980er den Inflationsbegriff als Geldentwertung bzw. Kaufkraftverlust kennengelernt; zu Deflation dagegen habe ich im Geschichtsunterricht (trotz der Brüningschen Politik, die letztlich zum Aufstieg der Nazis geführt hat) nichts ins Heft geschrieben, im Wirtschaftsunterricht nur, dass es das Gegenteil von Inflation ist. [...]

Nichts schreibt sich von allein!

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