Der unnötige Stress mit dem Stresstest

Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse des von der EZB durchgeführten Stresstests für die europäischen Banken macht sich Ernüchterung breit. Keine neuen Erkenntnisse, Bankensystem insgesamt stabil, Kreditvergabe weiter schwach. So könnte man die mageren Ergebnisse zusammenfassen.

Kann man jetzt überrascht sein? Die FAZ bringt das auf den richtigen Punkt: „Das Ergebnis ist in etwa so ausgefallen, wie es zu erwarten war. Die EZB konnte angesichts der fragilen Verfassung vieler Banken nicht alle Institute den Test passieren lassen, ohne sich von Beginn an als Bankenaufseher selbst zu diskreditieren. Hätte sie andererseits zu viele Banken scheitern lassen, wäre möglicherweise große Unruhe unter den Kunden entstanden – mit eventuell drastischen Folgen. Solche Bankentests sind keine reine Übung in angewandter Mathematik. Sie besitzen auch eine politische Dimension und dies schmälert natürlich ihre Aussagekraft.“ Jens Berger hat in den Nachdenkseiten heute ebenfalls eine gute Analyse vorgelegt, der wenig hinzuzufügen ist.

Die ganze Bankenunion war von vorneherein nichts anderes als die Bekämpfung eines Symptoms der Krise, hatte aber mit den Ursachen und einer wirklichen Lösung nichts zu tun. Genauso verhält es sich mit dem Stresstest und seinen scheinbar beruhigenden Ergebnissen. Nach dessen Veröffentlichung hat die Krise der Europäischen Währungsunion exakt die gleiche Dimension wie vorher.

Dazu passt, dass gerade neue Daten zur Kreditvergabe erschienen sind. Danach ist die Kreditvergabe der Banken in der Eurozone im September erneut gesunken. „Insgesamt vergaben die Finanzhäuser 1,2 Prozent weniger Darlehen an Unternehmen und private Haushalte als im Vorjahresmonat, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag in Frankfurt mitteilte. … Im August hatte das Minus noch bei 1,5 Prozent gelegen“, schreibt das Handelsblatt.

Bei den Banken sucht nur derjenige die Lösung, der sie woanders auf keinen Fall finden will. Dass Banken keine neuen Kredite vergeben, liegt, jeder vernünftige Mensch weiß das, daran, dass die Unternehmen keine neuen Kredite nachfragen, nicht daran, dass die Banken keine vergeben könnten. Und dass die Unternehmen keine Kredite nachfragen, liegt bei einer Gruppe daran, dass sie in hohen Gewinnen schwimmen und kein Fremdkapital brauchen, und bei der anderen Gruppe daran, dass sie keine ausreichende Nachfrage haben, um ihre Kapazitäten auslasten zu können. Da aber die Güternachfrage als Problem in weiten Kreisen der Ökonomen und sonstigen „Experten“ ein Tabuthema ist, stürzt man sich auf alles, was nach institutionellem Problem aussieht, weil ja nur da, wo der Staat die Regeln setzt, die ansonsten super-effiziente Marktwirtschaft versagen kann.

 

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