Einbrechende Industrieproduktion und Prognosekorrekturen nach unten – Die Realität holt Deutschland ein

Der Einbruch der Industrieproduktion im August, der erwartungsgemäß dem Absacken der Aufträge in der Industrie folgte, hat doch einen gewissen Schock in den deutschen Medien und bei den Prognostikern ausgelöst. Nun hat auch noch der Internationale Währungsfonds, wie die Medien berichten, seine Prognose für Deutschland auf 1,4 % für dieses Jahr herunterkorrigiert. Auch die Wirtschaftsforschungsinstitute, das melden die Medien heute Mittag, kommen nur noch auf 1,3 Prozent für dieses Jahr.

Wir hatten Ende Juli dargelegt, dass alle Prognosen für dieses Jahr falsch sind und auch die Vorausschau für 2015 generell nicht das Papier wert ist, auf das sie geschrieben worden ist. Nun zeigt sich, dass auch das dritte Quartal schwach sein wird. Schon, wenn man annimmt, dass das BIP im dritten Quartal nur stagniert (ein weiterer leichter Rückgang ist sogar eher wahrscheinlich) und es auch im vierten Quartal bei Stagnation bleibt (wofür derzeit nichts spricht, alle Frühindikatoren sprechen für weiteren Rückgang), wird das Wachstum in Deutschland in diesem Jahr nur bei 1,2 Prozent liegen. Selbst dieses Ergebnis wäre nach den zwei schwachen Jahren 2012 und 2013 und Deutschlands Großspurigkeit in den internationalen Diskussionen blamabel.

Es wird dazu aber voraussichtlich nicht einmal kommen. Alles spricht dafür, dass der ganze Rest des Jahres von der Schwäche der Industrie geprägt bleiben wird, was bedeuten könnte, dass das Jahresergebnis sogar erneut unter einem Prozent liegt. Wir hatten in unserem Basisszenario im Juli für 2014 einen BIP-Zuwachs von 1,1 Prozent unterstellt (siehe unten Auszüge aus der damaligen Tabelle). Das hatte bei einigen Prognostikern Kopfschütteln hervorgerufen, weil sie angesichts des großen statistischen Überhangs für dieses Jahr (der errechnet sich aus dem Ergebnis für das vierte Quartal des Vorjahres, das bei der Berechnung der Jahresdurchschnitte sozusagen in dieses Jahr hineinragt) und dem guten ersten Quartal 2014 ein solches Ergebnis glaubten ausschließen zu können.

Es ist anders gekommen und es zeigt wiederum, dass die ganze Philosophie, nach der man nur auf den Aufschwung in Deutschland warten muss, weil der sich irgendwie zwingend einstellt, vollkommen neben der Sache liegt. Es zeigt auch, dass die schroffe deutsche Ablehnung einer Umkehr in der Wirtschaftspolitik durch nichts gerechtfertigt ist. Konsum und Investitionen sind weiter notleidend und, wenn es keine zusätzliche Verschuldung des Auslandes gibt, ist die deutsche Wirtschaft gelähmt.

Schließlich zeigt diese Entwicklung, dass die Europäische Zentralbank mit ihrer von einigen als aggressiv empfundenen Strategie vollkommen richtig liegt. Selbst wenn das nicht ausreicht, muss man es auf diesem Wege versuchen, der Konjunktur Impulse zu geben. Wer diese Politik als Politik charakterisiert, die sich dem „Willen der Problemländer beugt“, zeigt nur, dass er außer einer starren dogmatischen Haltung nichts zu bieten hat. Auch der staatliche Schuldenabbau in Deutschland im kommenden Jahr ist angesichts dieser konjunkturellen Entwicklung mehr als fragwürdig und führt, soll er dennoch durchgesetzt werden, zu einer weiteren Verschlechterung der Lage. Die falsche Prognose für dieses Jahr macht natürlich auch alle Vorhersagen für 2015, wie oben erwähnt, obsolet. Alles ist möglich, auch eine erneute tiefe europäische Rezession. Wer jetzt nicht begreift, dass es Zeit ist, von der Sparwut und den Austeritätsphantasien Abschied zu nehmen, dem ist nicht mehr zu helfen.

Tabelle Basisszenario:

verkürztes Basisszenario 2014

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