Wenn Ökonomen mit dem Recht statt mit Argumenten kämpfen, wird es gefährlich

Unter der Oberfläche brodelt es in Deutschland gewaltig. Manchmal kommt eine Blase nach oben, so dass man erkennen kann, was im Untergrund eigentlich los ist. So eine Blase ist der Aufsatz von Hans-Werner Sinn in der Financial Times vom 1.10.2014. Dort bezeichnet der Münchner Ökonomieprofessor die von der Europäischen Zentralbank (EZB) geplanten Aufkäufe von privaten Anleihen als unrechtmäßig, weil auch sie eine versteckte Staatsfinanzierung darstellten, die der EZB verboten sei.

Nachdem also – in der Interpretation von Hans-Werner Sinn und vielen anderen – der EZB vom Bundesverfassungsgericht (in seiner Entscheidung zum sogenannten OMT, wir haben hier darüber berichtet) „verboten“ wurde, öffentliche Anleihen zu kaufen, soll jetzt auch jede andere Art von Quantitative Easing (also direkter Reduktion der langfristigen Zinsen) ausgeschlossen werden.

Mit leichter Hand „widerlegt“ Hans-Werner Sinn die von der EZB befürchtete Gefahr einer Deflation. Erstens stiegen die Preise ja noch und zweitens seien Preissenkungen in Südeuropa notwendig zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit. Dass in Deutschland die Preise stärker steigen könnten, um die Deflationstendenzen, die aus Südeuropa kommen, auszugleichen, und dass das auch von der Sache her angemessen wäre, weil es ja nachweislich viel stärker Deutschlands Deflationspolitik im Gefolge der Agenda 2010 als die großzügige Lohnpolitik in Südeuropa war, [...]

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