Binnenkonjunktur im Rezessionsmodus, Export wieder der einzige Lichtblick

Die Auftragseingänge in der deutschen Wirtschaft im September haben leicht zugelegt, ohne dass sich dadurch etwas an der negativen Grundtendenz geändert hätte. Betrachtet man den im Oktober weiter gesunkenen ifo-Index zusammen mit dem Auftragseingang, signalisiert das, dass es im Oktober mit den Aufträgen erneut bergab gegangen sein dürfte (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1

Abb 1 AE und ifo

Bemerkenswert ist besonders, dass der Auftragseingang aus dem Inland im September sehr schwach ist. Inzwischen ist alles, was nach leichter Erholung aussah, wieder verschwunden und es bleibt das Bild einer über geschlagene drei Jahre stagnierenden Binnenwirtschaft (vgl. Abbildung 2). Das gilt übrigens auch, wenn man das gesamte produzierende Gewerbe betrachtet, also neben der Industrie die Bauwirtschaft miteinbezieht.

Abbildung 2

Abb 2 AE ins Inl Ausl

Im Bereich der Inlandsbestellungen ist die Schwäche bei den Investitionsgütern besonders klar zu erkennen, die eng mit der nicht wirklich von der Stelle kommenden Nachfrage nach Konsumgütern einhergeht (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3

Abb 3 AE Inv Konsumgüter

Nach dem Einbruch im August gab es allerdings für die Auftragseingänge insgesamt wie gesagt eine leichte Erholung, weil die Aufträge aus dem nicht-europäischen Ausland zulegten (vgl. Abbildung 4). Aus der Eurozone hingegen kommen weiterhin keine Impulse. Es ist bemerkenswert, wie sich die beiden Kurven, deren Entwicklung vorher weitgehend synchron verlief, seit der Verschärfung der Eurokrise auseinanderentwickelt haben. Deutschland sägt mit der für Europa verordneten Austeritätspolitik permanent an dem Ast, auf dem es selbst sitzt.

Abbildung 4

Abb 4 AE Ausl Eurozone Rest

Der Rest der Welt außerhalb der Eurozone wird nicht bereit sein, auf Dauer die Lücke zu füllen, die die europäischen Länder in Deutschlands Auslandsgeschäft hinterlassen. Viele Währungen von Entwicklungsländern sind bereits unter Abwertungsdruck, so dass dort die deutschen Marktchancen (wie die der anderen Eurozonenmitglieder) schwinden. Es bleiben hauptsächlich die USA, deren Dollar in den letzten Wochen auch gegenüber dem Euro aufwertet. Wie lange die Vereinigten Staaten dem zusehen werden, ist angesichts der fortdauernden „philosophischen Differenzen“ (wie der amerikanische Finanzminister die großen Gegensätze in dieser Frage zwischen Deutschland und den USA diplomatisch verklausuliert bezeichnet hatte, von uns hier kommentiert) die große Frage.

Deutschland setzt jedenfalls auf fortgesetzte Verschuldung des Auslands, um über die Runden zu kommen, und feiert sich selbst dabei als solide. Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht.

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