Der ganz normale Wahnsinn an einem ganz normalen Tag in einer ganz normalen Zeitung

Nach einer Veranstaltung zur Eurokrise am vergangenen Sonntag in Brüssel fragte mich eine Studentin, wie es denn sein könne, dass die deutschen Politiker sich vollständig der Erklärung der Krise entziehen könnten, die sie gerade von mir gehört hatte. Bei der Antwort auf solche Fragen tut man sich immer schwer, weil es ja für einen hoffnungsvollen jungen Menschen nicht leicht begreiflich ist, dass es in dem demokratischen Rechtsstaat Deutschland Mechanismen gibt, die verhindern, dass eine offene und ehrliche Diskussion zu einer solchen Schicksalsfrage für ganz Europa geführt wird.

Auf meinem Rückflug gestern hatte ich dann zwei Stunden Zeit und nahm mir eine ganz normale Zeitung, das Handelsblatt, und las es von vorne bis hinten bewusst mit Blick auf diese Mechanismen, die so eindeutig vorhanden und doch so schwer abstrakt zu beschreiben sind.

Es beginnt auf Seite eins: Da wird über ein gemeinsames Papier von DGB und BDI berichtet, das sich mit der Investitionsschwäche in Deutschland auseinandersetzt. Da geht es um die deutsche Wettbewerbsposition (der Deutsche Gewerkschaftsbund macht sich darum Sorgen!), um Arbeitsplätze und den Wohlstand. Weder das Wort Lohn noch das Wort Nachfrage erscheint.

Auf Seite sechs und sieben darf dann der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie in einem langen Interview beklagen, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden