Billiges Öl: Konjunkturprogramm für die Welt?

„Konjunkturprogramm“ ist eigentlich ein geächtetes Wort. Wenn es um den Staat geht und die Frage, ob der mit geliehenem Geld die Wirtschaft ankurbeln sollte, dann wissen unsere Leitmedien ganz genau, dass das immer nur ein Strohfeuer entzündet und am Ende rein gar nichts für das Wachstum bringt.

Jetzt aber, wo es um die Auswirkungen des Rückgangs der Ölpreise geht, entdecken auch solche Kommentatoren, die sonst vor Konjunkturprogrammen Angst wie der Teufel vor dem Weihwasser haben, plötzlich die Chancen, die sich daraus für die Weltwirtschaft ergeben könnten. In der Süddeutschen Zeitung gab es gestern fast eine Seite von Nikolaus Piper dazu mit der Überschrift „Konjunkturprogramm für die Welt“ (ohne Fragezeichen!). Und in der FAZ schrieb der mediale Oberinquisitor der deutschen Ordnungspolitik Holger Steltzner: „Der Verfall des Ölpreises wirkt auf die Weltwirtschaft wie ein gigantisches Konjunkturprogramm und führt zu globaler Umverteilung.“ Da ist die ganze Ratlosigkeit der herrschenden Lehre wunderbar in einen einzigen Satz gepackt.

Denn leider haben die Herren Chef-Kommentatoren auch das wieder nicht verstanden. Ein Konjunkturprogramm ist der Ölpreisfall nämlich gerade nicht. Womit dann am Ende dieses Artikels beiläufig auch noch bewiesen wäre, dass die größten Gegner von Konjunkturprogrammen gar nicht wissen, was sie da eigentlich kritisieren. [...]

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