Die FAZ über Japan und Krugmans Kritik an Deutschland

Einer unserer Leser, Markus Markmann, hat anlässlich eines Kommentars des FAZ-Herausgebers Holger Steltzner über Japan einen Leserbrief mit folgendem Inhalt an Herrn Steltzner geschrieben:

Sehr geehrter Herr Steltzner,

vielen Dank für Ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Situation in Japan. Wie Sie uns Lesern nun ein weiteres Mal mehr als deutlich beweisen: Sie haben nichts verstanden. Oder: Sie wollen bewusst Begriffe verdrehen, Ursache und Wirkung vertauschen, kurzum: Die eigentliche Geschichte verschweigen Sie. Warum schreiben Sie nichts zur japanischen Preisentwicklung? Warum erwähnen Sie in keiner Zeile die Nachfragesituation? Warum erwähnen Sie mit keinem Wort die Entwicklung der japanischen Löhne? Haben Sie sich jemals tatsächlich zur japanischen Situation belesen? Warum findet der Begriff „Bilanzrezession“ keine Erwähnung? Warum erkennen Sie nicht, dass die Verschuldung des japanischen Staates nur die Gegenposition zur privaten Vermögensbildung ist? Warum erzählen Sie nicht die ganze Geschichte?

Wenn Sie doch nur für einen kleinen Interessenskreis schreiben, dann wechseln Sie doch den Arbeitgeber. Es wird langsam unerträglich, wie Ihr Blatt tagein, tagaus Lobbyarbeit für die Großindustrie und die deutsche Exportwirtschaft betreibt. Jetzt noch das Beispiel Japan dafür anzuführen, dass staatliche Verschuldung Teufelszeug ist, ist wohl ihr letzter armseliger Strohhalm an dem Sie sich versuchen aus der argumentativen Talsohle zu befreien.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Markmann

Anmerkung Heiner Flassbeck

Holger Steltzner äußert sich in dem Kommentar auch mit einem interessanten Argument zur Kritik von Krugman an Deutschland (wir haben hier darüber berichtet).

Krugman hatte Deutschland wegen seines Lohndumpings die Hauptschuld an der Eurokrise gegeben. Dazu schreibt der Herausgeber der FAZ: „Dabei unterschlägt Krugman, dass der deutsche Export in die Euroländer seit der Krise kräftig schrumpft und inzwischen fast zwei Drittel der Ausfuhren in Länder außerhalb der Eurozone gehen.“

Wie schön! Seit der Krise (er meint wohl seit 2008/2009/2010) ist das richtig. Nur, was sagt das? Das ist ja kein Gegenargument gegen Krugmans Behauptung, Deutschland sei mit seinem Lohndumping und mit seinen Exportüberschüssen seit Beginn der Währungsunion für das Entstehen der Krise verantwortlich. Dass danach die Exportüberschüsse gegenüber den EWU-Ländern gesunken sind, ist die Folge der Krise. Weil diese Länder in einer schweren Rezession oder sogar Depression sind, importieren sie weniger. Das bedeutet keineswegs, dass sie nicht weiter unter der deutschen Wettbewerbsfähigkeit leiden. Zudem verdrängt Deutschland wegen seines Lohndumpings die anderen EWU Länder seit der Krise (genauso wie vorher schon) auch im Rest der Welt von den Märkten. Deswegen bedeutet es nichts, wenn jetzt mehr Ausfuhren in Länder außerhalb der Eurozone gehen. Auch das geht zu einem erheblichen Teil zu Lasten der Partner in der Eurozone. Wann begreift jemand in der FAZ, dass man mit Scheinargumenten nur Scheinerfolge erzielen kann?

 

 

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