Die goldene Lohnregel reicht nicht mehr

Alle beklagen sich über die zunehmend einseitige Einkommensverteilung und alle reden über das Problem der Verschuldung. Doch (fast) niemand erkennt den Zusammenhang und benennt die Täter: Die Unternehmen verteilen ihre Wertschöpfung so einseitig, dass Angebot und Nachfrage nur in Übereinstimmung gebracht werden können, wenn laufend Konsum mit Krediten finanziert wird. Das hält ein Finanzsystem nicht lange aus. Die Unternehmen müssen deshalb endlich die volkswirtschaftliche Verantwortung für ihre Verteilungspolitik wahrnehmen – oder dazu gezwungen werden. Ein erster Schritt dazu wäre die Offenlegung der Verteilung auf Ebene der Unternehmen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird immer zweimal beansprucht – physisch und rechtlich. Am Ende jeder Periode ist immer das ganze BIP physisch verwendet worden, nämlich entweder konsumiert oder investiert worden. Parallel dazu haben alle Wirtschaftssubjekte (in Geld denominierte) rechtliche Ansprüche auf Teile des BIP erworben. Übertrifft bei einem Wirtschaftssubjekt der rechtliche Anspruch die physische Beanspruchung, bleibt am Ende der Periode ein Gutschein für künftigen Konsum dieses Wirtschaftssubjekts. Im umgekehrten Falle bleibt eine rechtliche Verpflichtung, später auf Konsum zu verzichten. In der Summe über alle Wirtschaftssubjekte entspricht die physische Beanspruchung der rechtlichen und umgekehrt.

Die Verteilung der physischen Beanspruchung ist über die Jahre hinweg ziemlich konstant geblieben. Der Konsum des reichsten Fünftels der Haushalte übertrifft den des ärmsten Fünftels in etwa um den Faktor zwei. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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