Bravo Deutschland: 1,5 Prozent Wachstum 2014 mit über 200 Milliarden Euro neuen Schulden

So wie in der Überschrift hätte der Präsident des Statistischen Bundesamtes gestern seine Pressekonferenz eröffnen müssen. Das hat er natürlich nicht getan, sondern hervorgehoben, der deutsche Staat habe schon im dritten Jahr hintereinander keine Schulden mehr gemacht, sondern Überschüsse erzielt. .

Kaum zur Kenntnis genommen wurde bei der gewohnten journalistischen Verarbeitung der Zahlen, dass der Großteil des Wachstums von 2014 schon im ersten Quartal stattgefunden hat, während danach Beinahe-Stagnation angesagt war. Natürlich spielte bei der Kommentierung der Zahlen die „Kauflust“ der Verbraucher eine entscheidende Rolle, weil zum ersten Mal in den letzten drei Jahren die Konsumausgaben um mehr als ein Prozent gestiegen sind. Dass das nichts mit Lust zu tun hat, sondern allein mit der Tatsache, dass die realen Masseneinkommen etwas stärker als in den Vorjahren gestiegen sind – und das vor allem wegen sinkender Preise –, drang nicht bis in die Köpfe der Kommentatoren vor.

Der größte Skandal aber wurde vollständig übersehen: Auch im vergangenen Jahr trug nach der Berechnung des Amtes der Außenbeitrag (das ist im Prinzip Export minus Import) ganze 0,4 Prozentpunkte zu den 1,5 Prozent Wachstum bei. Was nichts anderes heißt, dass es trotz der seit langem extrem hohen Überschüsse im Außenhandel noch einmal zu einer Steigerung (wenigstens der realen Größen) kam und andere Länder eine entsprechend negative Gegenbuchung zu machen hatten. [...]

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