Griechenland: Große Depression und die Schuld des Gläubigers

Am 25. Januar wählt Griechenland ein neues Parlament. Die Griechen haben die Wahl zwischen Europas Vasallen Antonis Samaras und dem Rebellen Alexis Tsipras, zwischen einer Fortsetzung der Sparpolitik und dem Wagnis eines Bruchs mit Brüssel. Das Ergebnis des Kräftemessens zeichnet sich bereits ab: Wie einst Samaras muss auch Tsipras einsehen, dass die Gläubiger am längeren Hebel sitzen und eine Fortsetzung der Austerität mit der Drohung eines Staatsbankrotts erzwingen können.

Dabei ist das internationale Konkursverfahren gegen Griechenland bereits jetzt das grösste wirtschaftspolitische Desaster der letzten hundert Jahre. Im nunmehr siebten Jahr hat die Krise ihren Tiefpunkt erreicht. In diesen sieben mageren Jahren hat Griechenland bisher kumuliert mehr als ein ganzes Bruttosozialprodukt (116% des Jahres 2007) eingebüsst. Zum Vergleich: Die Grosse Depression in den USA war nach vier Jahren am Tiefpunkt angelangt und im siebten Jahr beendet – mit einem kumulierten Verlust von 104 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Das damalige Krisenmanagement in den USA gilt als grandiose wirtschaftspolitische Fehlleistung und beschäftigt viele Ökonomen bis heute. Im Gegensatz dazu gibt Griechenlands Tragödie bisher kaum Anlass zur Nachdenklichkeit oder gar Selbstkritik in großen Teilen der Ökonomenzunft. „Wir haben in den letzten Jahren gute Erfolge erzielt. Es war ein anstrengender Weg für das griechische Volk, [...]

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