Wette eingelöst

Viele Leser sind nach der von mir gewonnenen Wette meiner Empfehlung gefolgt und haben dem Bundeswirtschaftsminister geschrieben. Zwischenzeitlich gab es sogar Probleme mit dem Server, vermutlich hatte das BMWI Angst vor einem Hackerangriff. Man sieht daran, dass die Politiker und Bürokraten es einfach nicht gewohnt sind, dass der mündige Bürger sich zu Wort meldet. Sie erwarten, dass – genau wie 95 Prozent der Presse – auch die Bürger niemals versuchen, hinter die Kulissen zu schauen. Geschieht es doch, sind sie erschrocken, weil die Fassade, die sie mühsam errichtet haben, ganz schnell einstürzen könnte. Schauen wir mal, ob es nach der Schrecksekunde Antworten vom Ministerium geben wird.

Michael Schlecht, Bundestagsabgeordneter der Linken, hat angekündigt, heute auch im Bundestag nach den über 200 Milliarden zu fragen. Aber auch er hat keine Hoffnung, eine vernünftige Antwort zu bekommen.

Das ist das Tolle an unserer ach so offenen Gesellschaft: Es gelingt, ein absolut zentrales Thema für Deutschland und Europa systematisch unter der Decke zu halten. Die Politik kann vom Bürger praktisch nicht dazu gebracht werden, sich mit einem solchen Problem offen und ehrlich auseinanderzusetzen. Man kann leugnen und lügen, dass sich die Balken biegen. Würde die Bild-Zeitung darauf springen, wäre das natürlich sofort anders. Aber die Medien sind weitgehend stillgestellt, sie sind Teil des deutschen Establishments. Und dieses Establishment versucht mit allen Mitteln, die unglaublich peinliche Frage zu unterdrücken, wie es kommt, dass ein Land, das sich selbst als „Wirtschaftswunderland“ und als ein Land feiert, dessen Staatshaushalt die „schwarze Null“ schafft, jedes Jahr von Neuem auf massive Neuverschuldung der anderen setzt.

Man kann allerdings ziemlich sicher sein, dass die neue griechische Regierung genau diese Frage zunächst in den politischen Gremien und später auch in der Öffentlichkeit ganz laut stellen wird. Es ist der Bundesregierung zu raten, sich eine gute Antwort auszudenken. Die bisherigen Antworten werden nicht genügen.

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