Wo bleibt denn nur die Inflation? (Teil 1)

Das am 22. Januar angekündigte Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) ist hierzulande weit überwiegend negativ aufgenommen worden. Diese Reaktion schließt sich nahtlos an die Bewertung der vorangegangenen Anti-Krisenpolitik der EZB[1] in Medien, Politik und Wissenschaft an – auch hier hagelte es heftige Kritik. Interessanterweise lautete der bisherige Vorwurf an die Zentralbank jedoch, sie würde mit ihrer Politik eine hohe Inflation verursachen. Wenn – so der Tenor – von der EZB die „Geldschleusen geöffnet“ und hunderte von Milliarden an das Bankensystem verliehen werden, was soll daraus anderes resultieren als eine massive Inflation, ja eine „Horror-Inflation“?

Tatsächlich hat sich die Inflationshysterie – wie nicht anders zu erwarten war (Flassbeck 2009; Grunert 2009) – als völlig haltlos erwiesen. Die neuesten Zahlen von Eurostat (16. Januar 2015), dem statistischen Amt der Europäischen Union, zeigen für den Euroraum erneut keine „Horror-Inflation“ an, sondern das genaue Gegenteil, nämlich eine Deflation, gegen die die EZB nun mit ihrem Ankaufprogramm anzukämpfen versucht. Nach Eurostat beträgt die jährliche Inflationsrate im Euroraum im Dezember 2014 -0,2 Prozent, wobei elf der achtzehn Euroländer (noch ohne Litauen) negative jährliche Raten verzeichnen. Griechenland weist mit -2,5 Prozent die stärkste Deflation in der Eurozone und in der gesamten Europäischen Union auf. [...]

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