Aufgelesen bei … der FAZ und SAP

Wir hatten uns bereits darüber gewundert, dass manche Politiker und manche Journalisten die Möglichkeiten eines Griechenland-Austritts aus der Europäischen Währungsunion (GREXIT) so gelassen sehen oder gar begrüßen. Die FAZ setzt jetzt noch einen oben drauf und räsoniert über ein verschärftes Szenario: Wie wäre es mit einem Austritts Deutschlands aus dem Euro, zusammen mit „stabilitätsbewussten“ weiteren nordeuropäischen Ländern?

Die Folgen eines solchen Selbstmords aus Angst vor dem Tode wollen wir hier nicht erneut durchdeklinieren, aber es wäre gewiss einer der größten politischen Fehler, den man begehen könnte.

Wobei die Firma SAP dergleichen offenbar schon kommen sieht. Ihre „Travel Management-Software“ wartet in den Menüs nicht nur mit verschiedenen Währungen aus der Vor-Euro-Zeit auf, die man offenbar sicherheitshalber beibehalten hat, sondern kennt auch einen „Europäischen Euro“:

2015_02_16 Screenshot SAP - Europaeischer Euro

Warum dann nicht auch einen Nord-Euro einführen, frage ich mich.

Aber zurück zur FAZ. Dort schießt man sich aus allen Rohren auf die unzuverlässigen Südeuropäer ein. Der Korrespondent aus Rom beschwert sich beispielsweise, dass die Italiener „keinerlei Interesse für die Sorgen deutscher Sparer“ hätten und dass Wirtschaftsdaten südlich des Brenners geflissentlich ignoriert würden. Wirtschaftsdaten der Art, dass in Italien die Arbeitslosenquote bei 12,9% und in Deutschland bei 4,8% liegt, interessieren offenbar den deutschen FAZ-Korrespondent nicht. Was ist schon eine bald dreimal so hohe Arbeitslosenquote gegen 0% Zinsen beim deutschen Sparer?

Und Michael Martens schließlich kleidet auf Seite 1 der FAZ vom 10.2.2015 (nur Print, nicht Online) unter dem Titel „Geld oder Grexit“ die subtilere Form der Fremdenfeindlichkeit in folgende Formulierung: „Und was ist, wenn das europäische Haus ohne die gezinkte griechische Karte, die eigentlich ohnehin nie ins Spiel gehört hätte, am Ende stabiler dastünde als vorher?“

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