Eine Schubkarre voll mit Geld

Auf der Facebook-Seite von flassbeck-economics weisen wir auf unsere aktuellen Artikel hin. Außerdem besteht dort die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Zu Heiner Flassbecks Artikel über die Freigabe des Frankenkurses vom 2.2.2015 entspann sich auf Facebook eine Diskussion, die wir im Folgenden noch einmal abdrucken:

Frage eines Lesers: Solche Grundlagen helfen mir sehr! Was ich immer schon wissen wollte: Die Notenbank „stellt ja das Geld her“. Ist hier wirklich gemeint, daß die das auf Papier ausdrucken? Das ist doch hier ein reiner Buchungsvorgang, richtig? Wenn es nun von diesem Geld viel gibt, es aber nun auf Konten von Banken liegt, damit diese Banken damit z.B. Dollar oder Wertpapiere kaufen, warum sollte dadurch eine Inflation induziert werden? Die „Monetaristen“ müssen doch einen Grund haben, daß sie das vermuten?

Antwort eines anderen Lesers: Physisch gedruckt muss das Geld erst werden, wenn der Kunde es von der Bank abhebt. Ende 2008 hat deshalb auch die Bundesbank schnell mitbekommen, dass in Deutschland ein Bankrun begonnen hatte und hat die Regierung alarmiert. Daraufhin haben sich Merkel und Steinbrück Anfang Oktober 2008 sonntags vor die Kameras und Mikrofone der Nation gestellt und „behauptet“, die Spareinlagen seien sicher. Und das hat tatsächlich gewirkt. In Südeuropa ist ähnliches passiert, aber da war weit weniger Vertrauen der Bevölkerung in die Politik da und die Leute holten große Mengen Geld von der Bank. Siehe Target2-Salden, die seitdem auseinander laufen.

Antwort von flassbeck-economics: Da der Monetarismus aus verschiedenen Gründen als Wirtschaftstheorie wenig taugt, ist die Behauptung „mehr Geldumlauf erhöht immer und überall die Preise“ nicht sehr überzeugend. Unter dem Schlagwort „Monetarismus“ sind wir mehrfach darauf eingegangen (z.T. Abo): http://goo.gl/ZAcizG

Frage eines Lesers: Ich finde das auch nicht überzeugend. Aber ich habe noch nicht verstanden, warum es andere überzeugt. Erst wenn man verstanden hat, auf welchem nachvollziehbaren Irrtum das beruht, kann man es jemandem ausreden.

Antwort eines anderen Lesers: Wenn es einfach zu widerlegen wäre, gäbe es diesen Mythos ja nicht.

Antwort von flassbeck-economics: In Deutschland kennt fast jeder diese Bilder von 1923: Man fährt die Schubkarre voller Geldscheine mit einem millionenfachen Nominalwert zum Bäcker und bekommt nicht einmal ein Brötchen dafür. Das ist eine höchst plausible Geschichte: Ich drucke zuviel davon, und im Ergebnis ist es nichts mehr wert. Also glaubt jeder, dass zu viel Geld zu steigenden Preisen führt.
Nur ist es in Wahrheit komplexer, und das sieht man auf den Bildern von 1923 nicht. Am Anfang steht immer das Wachstum der Löhne / Lohnstückkosten. Fehlt es an dieser Lohndynamik, kommt es auch nicht zu Inflation, egal wie sich die Geldmenge entwickelt. Das ist etwas, was Japan gerade mühsam lernt. Den Europäern steht dieser Lernprozess noch bevor.

Frage eines Lesers: Es leuchtet doch sofort ein, daß jede Preissteigerung durch Nachfrage an einer Sache entsteht. Selbst wenn man die Geldscheine ausdrucken würde und die Banken sie bereithielten, dann gäbe es keine Inflation, weil ja ein Niedriglöhner deswegen nicht mehr von seinem Konto abhebt um einzukaufen. Es kann doch nicht sein, daß die Ökonomen irgendwelchen Glaubenssätzen folgen, die weder beobachtbar noch plausibel sind. Was soll denn das für eine Wissenschaft sein? Kein Wunder, daß ich das nicht studiert habe.

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Anmerkung des Teams von flassbeck-economics: Wie oben bereits erwähnt, sind wir auf diese Fragen schon verschiedentlich eingegangen. Neben dem Schlagwort Monetarismus kann man auch unsere Suchfunktion verwenden, die alle bisher zum Thema „Unser Geldsystem“ erschienenen Abo-Artikel zeigt. Diese Serie begann am 14. Februar 2014. Das ist fast ein Jahr her. Der Abo-Status dieser Artikel wird also in Kürze sukzessive aufgehoben, und sie sind dann allgemein zugänglich.

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