Talkshows – am Beispiel „Hart aber fair“ von gestern

Viele Leser fragen immer wieder, warum ich so selten in Talkshows auftrete. Sie fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, dass ich, so wie vor kurzem im Österreichischen Fernsehen (ORF), den Menschen unseren Standpunkt auch auf diese Weise klarzumachen versuche. Gestern Abend in der ARD bei „Hart aber fair“ konnte man wieder schön studieren, warum die Sendung im ORF eine Ausnahme war (und reiner Zufall, denn ich war zufällig sowieso in Wien und die Auswahl der Gäste ergab zufällig keinen Fundamentaldissens). In der Regel funktioniert Aufklärung in so einem Format eben leider nicht.

Ich habe es zwar nicht ertragen, die ganze Sendung, die sich mit Griechenland beschäftigte, anzuschauen, aber die wenigen Ausschnitte, die ich gesehen habe, bestätigen meine Position, dass es verlorene Zeit ist, an einer solchen Sendung teilzunehmen. Natürlich waren fast alle wieder „Griechenland-Experten“ und wussten genau, was dort zu tun und zu lassen ist. Nur: Die eigentlich zentrale Frage, wieso ein Land wie Griechenland, das die härtesten aller Auflagen der Troika so perfekt umsetzt, nämlich die massive Senkung der Löhne und Renten und die „Sparauflagen“ für den Staat, in einer großen Depression versinkt, wurde gar nicht erst gestellt.

Dass die Vorstellungen der Troika – vor allem über die Wirkungsweise sinkender Löhne – einfach falsch sind, weil alle in der Troika an eine falsche Theorie des Arbeitsmarktes glauben, hat man natürlich nicht diskutiert. Denn man kam von vorneherein gar nicht auf die Idee, dass es so etwas geben könnte, dass alle Verantwortlichen ihre Entscheidungen auf einer vollkommen falschen Grundlage treffen. Wem aber und wie sollte man das unter dem Druck einer solchen Talkrunde erklären? Sollte man dem ZEIT-Journalisten und Juristen Jochen Bittner sagen, er habe erstens keine Ahnung von Ökonomie und zweitens sei das, worauf er offenbar seine Überlegungen aufbaue, bestenfalls Mikroökonomie, wo der Arbeitsmarkt wie ein Kartoffelmarkt behandelt wird? Oder soll man ihm sagen, er hinge unhaltbaren Moralvorstellungen an, in denen Schulden etwas Anrüchiges sind? Sollte man dem Vorsitzenden der FDP, Christian Lindner (Studium der Politologe) sagen, dass seine lautstark vorgetragene Überzeugung, Deutschland habe alles richtig gemacht, weder einer logischen noch einer empirischen Überprüfung standhält?

Nein, das geht alles nicht, weil die Regie dieser Sendung (wie der meisten anderen) von vorneherein nicht auf das Erklären von Zusammenhängen, sondern auf Konfrontation und Krawall ausgerichtet ist. Man unterstellt zudem, dass der deutsche Mainstream zu neunzig Prozent richtig ist und es nur darum geht, linke oder rechte Nuancen daran anzubringen. Da hat man als jemand, der versucht, den Dingen – ohne Ansehen von rechts und links – auf den Grund zu gehen, keine Chance. Und deshalb werde ich mich auch in Zukunft zurückhalten, wenn es um die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen geht.

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