Die Vorsorge als Spielcasino

In den Schweizer Medien ist folgende Geschichte zum Standard geworden: Die „Geldschwemme“ der internationalen Zentralbanken und die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gefährden die Sparer und die Altersvorsorge. Die Story stimmt, doch die Rollen sind falsch besetzt: Der wahre Schurke im Stück ist die Altersvorsorge.

Die jüngste Version der Zentralbanken-Gefährden-Altersvorsorge-Geschichte stand neulich in der NZZ. Sie beginnt, wie die meisten ihrer Art, mit einer Generalabsolution für die Nationalbank. Sie habe sich „verständlicherweise dazu entschlossen, die Verkettung mit der krisengeschüttelten Euro-Zone zu lösen und den Mindestkurs von 1.20 Franken aufzuheben“. Die „Geldschwemme“ der internationalen Notenbanken im Allgemeinen und das 1140 Milliarden Euro-Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) im Besonderen führe nun aber zu einer Flucht in den Schweizer Franken, womit der SNB „nichts anderes übrig bleibe“, als die Investoren mit einem Negativzins von 0,75 Prozent abzuschrecken. Doch die tiefen Zinsen führten, so die NZZ weiter, leider zu folgenden negativen Konsequenzen: Sie begünstigten die Fehlallokation von Investitionen, verstärkten die laufende Umverteilung von Sparern zu Schuldnern und gefährdeten die Ersparnisse der Bürger, sowie deren Altersvorsorge.

Letzteres ist richtig. So beruht zum Beispiel die Rente des Schreibenden auf der Annahme, dass mein Sparkapital mit durchschnittlich 4,65 Prozent verzinst wird – netto, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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