Europa stirbt zuerst im Kopf: Beschimpfungen, Beleidigungen und Reparationsforderungen oder, wo man hinkommt, wenn man absolut nicht mehr weiter weiß

Wer uns bisher nicht geglaubt hat, dass die deutschen Medien (das kann man so pauschal sagen, wie es klingt) in der Griechenlandfrage zu jedem nur denkbaren Schwachsinn in der Lage sind, der kann es jetzt jeden Tag in hunderten von Meldungen klar erkennen. Die ARD schafft es, innerhalb von zwei Tagen, zwei „Talkshows“ aufzubieten, die sich gegenseitig unterbieten in der Niveaulosigkeit der Auseinandersetzung. Die Frage, ob Yanis Varoufakis in einer Rede vor fünf Jahren der Finger entgleist ist, ist in allen „Leitmedien“ wichtiger als die Frage, wie es kommen kann, dass aus Griechenland jeden Tag wieder tausendfach Finger in Richtung Deutschland gezeigt werden.

Dort kommen längst vergessen geglaubte Reparationsforderungen wieder hoch und zeigen doch nur die Hilflosigkeit der griechischen Politik, die in einer aussichtslosen Lage um sich schlägt. Was mich am meisten an Deutschland erschüttert, ist die offenbar gewordene kollektive Unfähigkeit, genau das zu erkennen. Hier kämpft ein ganz kleines Land mit dem Rücken zur Wand gegen einen übermächtigen Gegner um seine Würde. Wo ist der deutsche Spitzenpolitiker, der seinen eigenen Leuten laut und deutlich sagt: Nun hört endlich auf, es gibt hier nichts zu gewinnen? Nein, sie machen immer weiter und schlagen auf den Kleinen ein. Unkontrollierte Aggression, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden