Geduld verloren, aber nicht ungeduldig

Die Federal Reserve hat letzte Woche tatsächlich Ernst gemacht: Sie hat ihr Versprechen aufgekündigt, weiterhin Geduld zu üben, bevor es zur ersten Zinserhöhung seit der schweren Krise kommt. Federal Reserve Chair Janet Yellen erklärte in der Pressekonferenz im Anschluss an die FOMC (Federal Open Marktet Committee) Tagung dazu: „… nur weil wir das Wort „Geduld“ aus unserer geldpolitischen Erklärung gestrichen haben, bedeutet dass nicht, dass wir ungeduldig sein werden“. Was bedeutet der jüngste Schritt der Federal Reserve dann konkret?

Zunächst einmal bedeutet er ein Stück mehr geldpolitische Normalität. Eine Zentralbank, die keiner Wechselkursbindung unterliegt, fesselt ihre Hände in Sachen Zinspolitik gewöhnlich nur ungern. Zentralbanken bevorzugen es, jederzeit flexibel auf Veränderungen in der sich abzeichnenden Wirtschaftsentwicklung reagieren zu können. Sie befürchten sonst in die Lage geraten zu können, erst zu spät der Entwicklung hinterher eilen zu müssen und dabei ihren Auftrag zu verfehlen, also zum Beispiel eine gravierende Zielverfehlung bei der Inflationsrate zu lange zu tolerieren und – aufgrund der verspäteten Bekämpfung – einen schärferen Restriktionskurs fahren zu müssen, als es sonst erforderlich gewesen wäre.

Die Tatsache, dass die Federal Reserve im letzten Jahr mit ihrem Gedulds-Versprechen von dieser allgemeinen Zentralbank-Weisheit abgewichen ist, war zum einen in ihrer Einschätzung der Risiken für die Wirtschaftsentwicklung begründet, [...]

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