Wahlen in Frankreich, Rekordleistungsbilanzüberschuss in Deutschland – oder wie man sich permanent selbst belügt

Nun sind aber alle froh: Der Front National, die Partei, der Marine LePen vorsteht, hat bei einer Wahl der (politisch wenig entscheidenden) Delegierten der jeweiligen Departements gestern „nur“ 25 Prozent der Stimmen bekommen und damit „nur“ den zweiten Platz belegt.

Das beruhigt die deutschen Gemüter, denn man kann darauf hoffen, dass Herr Sarkozy 2017 noch einmal Präsident wird. Den kennen wir ja schon und wissen, wie handzahm der sein kann, wenn er unter deutschem Einfluss steht.

Dazu passt gut, dass das Statistische Bundesamt gerade meldet, dass der deutsche Außenhandelsüberschuss 2014 mit rund 217 Milliarden Euro einen Rekordstand erreicht hat. Und das Handelsblatt fügt stolz an: „Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts kommt Deutschland weltweit auf den mit Abstand höchsten Überschuss. Die Leistungsbilanz wies demnach 2014 ein Plus von 285 Milliarden Dollar auf. Auf Platz zwei kommt die weltgrößte Handelsnation China (150 Milliarden Dollar), gefolgt vom Ölexporteur Saudi-Arabien (100 Milliarden).“ 285 Milliarden US-Dollar, das ist die Summe, um die sich Deutschlands Handelspartner in nur einem Jahr neu bei uns verschuldet haben, um deutsche Waren zu kaufen.

Aber, so lehrt uns der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe mit Hilfe von Professor Henrik Enderlein (von der Hertie School of Governance in Berlin), Deutschland habe dieses Anhäufen von Überschüssen nicht mit Absicht getan, sondern wurde von einem „zu hohen Zins“ zu Beginn der Währungsunion dazu gezwungen. So bastelt man sich die Welt, wie sie einem gefällt (wir werden darauf noch näher eingehen).

Was aber hat der Nationalismus der einen mit den Außenhandelsüberschüssen der anderen zu tun? Das wusste man ganz genau zur Zeit des Merkantilismus, also vor etwa 300 Jahren. Da war es jedermann klar, dass man nur durch Außenhandelsüberschüsse die Schätze anhäufen kann, die man braucht, um als Nation so stark und unabhängig zu sein, dass man jederzeit Kriege führen konnte. Heute wundern wir uns, wenn in den Ländern, denen es nicht gelingt, solche Überschüsse anzuhäufen, nationalistische Parteien gewählt werden, weil die versprechen, das Land vor der Bedrohung durch solche Länder zu befreien, die permanent Außenhandelsüberschüsse aufhäufen.

Anmelden