Was uns der Stinkefinger zeigen wollte

Das Buch ist in seiner deutschen Ausgabe satte 287 Seiten dick. Der Vortrag, in dem Ökonomie-Professor Yanis Varoufakis seine Thesen 2013 in Zagreb zusammenfasste, dauerte 57 Minuten. Von diesen 3420 Sekunden ist genau eine in Deutschlands Bewusstsein angekommen, nämlich die, in welcher der spätere griechische Finanzminister Deutschland den Stinkefinger zeigt. Pfui!

Dass Europas führende Wirtschaftsmacht in Sachen Wirtschaftspolitik nur eine sehr kleine und selektive Aufmerksamkeitsspanne hat, zeigte sich auch neulich bei der gemeinsamen Pressekonferenz von Alexis Tsipras und Angela Merkel nach ihren jüngsten Gesprächen in Berlin. Dabei ging es Tsipras gemäss seinen Aussagen vor allem darum, darzulegen, dass die bisherigen „Sanierungsprogramme“ seinem Land massiv geschadet haben, und dass man aus diesen Fehlern lernen müsse. Hat Frau Merkel überhaupt zugehört? Bei der Pressekonferenz war davon nichts zu spüren. Für Merkel gilt weiterhin: „Wichtig ist, dass die ökonomischen Eckdaten stimmen.“ Und: „Dass dazu Strukturreformen notwendig sind, dass dazu ein solider Haushalt notwendig ist und dass dazu eine funktionierende Verwaltung notwendig ist, wird von uns beiden, glaube ich, gemeinsam so gesehen.“

Zurück zu Varoufakis: Ihm ging es vor allem um die Bedingungen, unter denen eine Währungsunion oder ein System fixer Wechselkurse funktionieren kann – oder zusammenbrechen muss. Für Flassbeck-Leserinnen und Leser ist das Rezept klar: Man nehme die Goldene Lohnregel und ein für alle Länder verbindliches Inflationsziel. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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