Wie soll eine bessere Steuerung der EWU aussehen? (Teil 2)

Im Anschluss an Teil 1 dieses Beitrags kommt jetzt der aus meiner Sicht spannende Analyse-Abschnitt des EU-Papiers: die Untersuchung der „Krise der Wettbewerbsfähigkeit“. Zunächst werden nicht näher beschriebene nominale und reale Rigiditäten auf Güter- und Arbeitsmärkten dafür verantwortlich gemacht, dass keine effiziente Allokation der Ressourcen in Europa stattgefunden habe, was die Funktionstüchtigkeit des „Wettbewerbskanals“ behindert habe. Zusätzlich seien die Lohnstückkosten in den einen Ländern stark gestiegen, in anderen aber konstant geblieben oder gar gesunken. Und das habe zu schwindender Wettbewerbsfähigkeit der erst genannten und dort zu Leistungsbilanzdefiziten geführt.

Für Leser von flassbeck-economics ist der Zusammenhang zwischen Lohnstückkosten, Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbilanzungleichgewichten keine neue Erkenntnis, aber möglicherweise ist es das für manche Leute aus der Beratungsrunde auf EU-Ebene. Vertreter der Deutschen Bundesbank z.B. und deren Mitstreiter einschließlich der deutschen Bundesregierung tun sich mit derlei Überlegungen schwer, behaupten sie doch das glatte Gegenteil, wenn sie vor einiger Zeit mit einer Modellrechnung zu belegen versuchten, dass steigende Lohnstückkosten in Deutschland zu höheren Nettoexporten führen. Man kann also hoffen, dass dieser Teil des EU-Papiers zu Diskussionen und empirischen Klarstellungen Anlass gibt.

Doch welche Empirie wird hier aufgeboten? Chart 3 auf Seite 4 soll dem Beleg der Rigiditäten und ihrer fatalen Folgen für den Arbeitsmarkt dienen. [...]

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