Archiv flassbeck-economics | 30.04.2015 (editiert am 25.05.2016)

Irrlichternde Nordlichter – Schweden, Dänemark und Finnland finden keinen Weg aus der Rezession (Teil 1)

Die nordischen Staaten gelten häufig als Vorbilder. Die einen verweisen darauf, dass diese Länder wirtschaftlich erfolgreich sind und dennoch für einen vernünftigen sozialen Ausgleich sorgen. Die anderen heben hervor, dass gerade diese Länder in den letzten Jahren erhebliche „Strukturreformen“ durchgeführt hätten und heute nicht mehr die „vorbildlichen Wohlfahrtsstaaten“ seien, die sie einst gewesen sind.

Wir betrachten Schweden, Dänemark und Finnland, lassen aber Norwegen außen vor, weil es ein Ölexportland ist und daher besondere Bedingungen aufweist, die zu analysieren den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Es zeigt sich, dass die skandinavischen Länder in den letzten Jahren keinen Weg gefunden haben, mit den besonderen Bedingungen der Nach-Krisenzeit fertig zu werden.

Interessant ist insbesondere, dass alle drei Länder zur Gruppe der Länder gezählt werden müssen, die hohe Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen, also in der Vergangenheit versucht haben, ihre Probleme über eine Unterbewertungsstrategie zu lösen. Finnland verzeichnet zwar seit einigen Jahren ein kleines Defizit in der Leistungsbilanz, aber seine wichtigsten Politiker benehmen sich in den Verhandlungen der Eurogruppe über die Probleme der südeuropäischen Länder immer noch so, als sei das Land ein Überschussland. Das ist ein fataler Irrtum. Aber auch Schweden und Dänemark müssen sich quasi neu erfinden und eine realistische Wirtschaftspolitik, die nicht nur auf Exportüberschüsse setzt, rasch verwirklichen.

Vergleicht man das Wachstum (hier als Index mit 1999 als 100 abgebildet) der Nordländer mit Deutschland, zeigt sich eine zweigeteilte Entwicklung (Abbildung 1).

Abbildung 1

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Finnland und Dänemark haben – von unterschiedlichen Ausgangsniveaus aus – enorme Schwierigkeiten, die Rückschläge, die sie nach der globalen Rezession von 2008/2009 hinnehmen mussten, wieder auszugleichen. Beide Länder sind mehr oder weniger weit davon entfernt, das Niveau der gesamtwirtschaftlichen Produktion, das sie vor der Rezession hatten, wieder zu erreichen. Das Bruttoinlandsprodukt ist dort seit 2011 rückläufig und es gibt, wie wir jüngst anhand der aktuellen Indikatoren festgestellt haben, keine Tendenz zur Besserung. Etwas positiver sieht es in Schweden aus, das ähnlich wie Deutschland doch einen leichten Aufschwung zu verzeichnen hat.

Betrachtet man die Komponenten des BIP, sticht auch hier Schweden hervor. Sowohl bei den Investitionen (Abbildung 2) als auch beim privaten Verbrauch (Abbildung 3) liegt Schweden vorne. Bei den Investitionen (Bauinvestitionen plus Ausrüstungsinvestitionen) fällt auch hier die große Parallelität zur deutschen Entwicklung (wieder bei höherem Niveau) auf. Finnland und Dänemark dagegen haben einen schweren Einbruch der Investitionstätigkeit erlebt, der offensichtlich nur mühsam zu überwinden ist.

Abbildung 2

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Bei der Entwicklung des privaten Verbrauchs seit 1999 zeigt sich wiederum eine Zweiteilung, jedoch mit anderen Partnern. Hier sind es Schweden und Finnland, die den anderen beiden voraus sind. Allerdings erkennt man auch, dass die Phase eines boomenden Konsums in Finnland schon eine Weile zu Ende ist. Der private Verbrauch stagniert seit 2011, während es in Schweden weiterhin aufwärts geht. Noch früher begann die Stagnation des Konsums in Dänemark. Hier hat es nach dem Ende der globalen Rezession praktisch keine Belebung der Binnennachfrage insgesamt (Konsum plus Investitionen) gegeben.

Abbildung 3

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Da, wo der private Verbrauch schwach ist, muss man unterstellen, dass es in erster Linie einen großen Druck auf die Entwicklung der Einkommen der privaten Haushalte gibt. Der wiederum hat seinen Ursprung in einer Verschlechterung der außenwirtschaftlichen Situation, die diese Länder zu konstatieren haben. Die Exporte sind nicht mehr das Zugpferd für ihre Wirtschaft (Abbildung 4). Während diese drei Länder mit der Exportmaschine Deutschland bis 2008 gut mithielten, sind sie seitdem doch weit zurückgefallen. Nach der Rezession von 2008/2009 sind ihre Exporte, anders als in Deutschland, nicht mehr von der Stelle gekommen. Wir sehen hier eindeutige Parallelen zur Situation in anderen kleinen Ländern, über die wir hier früher berichtet haben (es handelte sich zusätzlich um die Niederlande und Belgien, Dänemark war auch damals schon in unserer Betrachtung dabei).

Abbildung 4

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Das hat zunächst damit zu tun, dass es gerade diese Länder waren, die in den neunziger Jahren mit einer Unterbewertungsstrategie gegenüber Deutschland große Erfolge erzielt hatten. Abbildung 5 zeigt dies klar auf. Vor allem Finnland hat sich Anfang der neunziger Jahre mit einer starken Abwertung Luft verschafft und seine Wettbewerbsfähigkeit selbst gegenüber Deutschland enorm erhöht.

Abbildung 5

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Teil 2 erscheint morgen.

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